Kategorie: Kolumne

Vom Ich zum Du

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von Timo Kröner (Text und Bilder)

«Ich freue mich, endlich wieder in die Schule gehen zu dürfen!» Diesen Satz haben in den letzten Jahrzehnten vielleicht einige heimlich am Ende der Sommerferien gedacht, aber wahrscheinlich wurde er noch nie so oft auch ausgesprochen wie in den Maitagen des Jahres 2020. Darin artikuliert sich die Vorfreude auf eine Zustandsänderung. Dieser Gefühlsäusserung liegen Bedürfnisse zugrunde, die nach dem Lockdown wieder erfüllt werden sollen. Das wichtigste wird das Bedürfnis nach sozialem Austausch sein, nach den Freundinnen und Freunden und nach der Gemeinschaft in der Klasse. Möglicherweise drückt er auch das Bedürfnis aus, den Zwang zur Lernautonomie ein bisschen zu lockern und wieder Verantwortung für den eigenen Lernrhythmus an die Lehrpersonen zurückzugeben. Vielleicht ist es ja auch nur das Bedürfnis nach der Rückkehr zu einer klareren Trennung von Lernen und Freizeit. „Vom Ich zum Du“ weiterlesen

Unsere Kolumnistin

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Was heisst hier „unsere Kolumnistin“? Eva Oberli ist doch UNSERE Kolumnistin! Seit über einem Jahr schreibt sie monatlich eine Kolumne für die BZ. Heute vergleicht sie das Corona-Virus mit einer Figur aus Harry Potter. Zudem fragt sie sich in dem ihr eigenen sarkastischen Stil, ob wir ein unbeschadetes Überstehen der aktuellen Krise überhaupt verdient haben. –Nu

Hier geht es zu Evas Kolumne:

https://www.bzbasel.ch/kommentare-bz/der-text-den-ich-nie-schreiben-wollte-137163494

Landzunge und Stadtmund

Das Selbstlernsemester im Fach Deutsch hat eine spitze Feder hervorgebracht: Eva Oberli aus der Klasse 3MS hat gestern in der Basellandschaftlichen Zeitung ihre zweite Kolumne veröffentlicht. Unter dem Catch „Landzunge und Stadtmund“ nimmt sie kein Blatt vor den Mund, wenn sie erzählt, wie man auf dem Land und in der Stadt flucht, oder wenn sie in pointierten Wendungen darüber nachdenkt, ob unser Sprachgebrauch rassistisch und sexistisch ist. –Nu

„Landzunge und Stadtmund“ weiterlesen

Rentier, Curry und Biberli

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von Hans Martin Roffler (Foto: Nu)

In Born as a Crime (2016) berichtet der begnadete Stand-up-Komiker und Show-Host Trevor Noah von seiner Jugend als „illegaler“ Mischling in Zeiten der südafrikanischen Apartheid. Er schildert sein Glück, als Kind mehrsprachig aufgewachsen zu sein. Zum Beispiel verhindert er dadurch, dass er trotz seiner hellen Hautfarbe in den schwarzen Homelands ausgeraubt wird, und er profitiert wiederum davon, als er in einer weissen Nachbarschaft Anschluss sucht. Noah sagt, dass die Sprache bezüglich der Identifikation wichtiger sei als die Hautfarbe. Und auch wenn andere ihm mit Blick auf seine Hautfarbe skeptisch begegnen, tritt diese Skepsis durch den Gebrauch einer gemeinsamen Sprache in den Hintergrund. „Rentier, Curry und Biberli“ weiterlesen

Macht Mozart schlau?

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von Jan Hitz (Foto: Nu)

Statt im Mathematikzimmer sitze ich mit meiner Klasse im Foyer des Gymnasiums und erlebe das Kammerorchester Basel bei der Probenarbeit zum G-Dur Konzert für Klavier und Streicher von Haydn. „… und jetzt tutti!“, weist die souveräne Konzertmeisterin Yuki Kasai das Orchester an. Präsenz, Präzision und Leidenschaft der Musikerinnen und Musiker sind beeindruckend. Das KOB arbeitet seine Interpretation der Stücke heraus und demonstriert die kraftvolle Wirkung gemeinsamen Musizierens. „Macht Mozart schlau?“ weiterlesen

Ein Hoch auf die Langeweile – und was Lernen mit Mutproben zu tun hat

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von Marianne Breu

Man denke mal an die eigene Kindheit zurück – sei es als Lernender oder auch als Lehrende: Wir haben Rad fahren oder schwimmen gelernt, indem wir es einfach versucht, geübt und plötzlich gekonnt haben. Dabei erlebten wir Stürze, Mutlosigkeit, neue Lust und eine Vorausphantasie des Könnens. Mit dabei waren immer auch die Freude am Sich-Ausprobieren und eine gespannte Erwartung auf die mögliche Erweiterung der Grenzen. Diese Glückserfahrung und Selbstbestätigung erfüllt uns immer, wenn wir uns aus Neugier und Entdeckerfreude selbstbestimmt mit einer neuen Sache verbinden. „Ein Hoch auf die Langeweile – und was Lernen mit Mutproben zu tun hat“ weiterlesen

Therapie für Kulturpessimisten

von Peter Hänger

„Die Jugend“ soll ein grosses Herz haben. Sie soll Illusionen pflegen und Utopien nachjagen. Es ist gleichsam ihr Privileg, sich für eine bessere und gerechtere Welt zu engagieren. Aber irgendwann soll sich Realitätssinn einstellen. Das besagt zumindest der Ausspruch, den alle Welt kennt: „Wer mit 16 nicht Sozialist war, der hat kein Herz. Wer mit 30 noch Sozialist ist, der hat keinen Verstand.“ Der Ausspruch wird vielen Vätern zugeschrieben, so zum Beispiel Georges Clemenceau, Winston Churchill, Benedetto Croce, Bertrand Russell – und es gibt unterschiedliche Versionen. „Therapie für Kulturpessimisten“ weiterlesen

Bildungsstalinismus

oder: Was wir von der Welt nicht lernen wollen, von Willi Ebert

Rostow-am-Don, Juni 2011. Heute ist der Tag X. Im ganzen russischen Riesenreich finden die Schulabschlussprüfungen statt, und zwar dieselbe Prüfung und gleichzeitig, d.h., um eine Stunde verschoben, je nach Zeitzone, und in sechs Varianten. Aber damit haben die Maturanden längst leben gelernt. Schon Monate zuvor konnte man auf dem Internet die Aufgaben kaufen (für einen Dollar das Stück) und die Lösungen (zwei Dollar), ja, gewisse Aufgaben waren schon auf dem Netz, bevor sie die Moskauer Prüfungskommission beschlossen hatte! „Bildungsstalinismus“ weiterlesen

Warum braucht es eine Auseinandersetzung mit Natur am Gymnasium?

von Markus Hilfiker

Am 15. Dezember 2014 brachte der Tagesanzeiger als einzige Schweizer Zeitung die Meldung, der Bund plane, für das Fracking – eine äusserst umstrittene Gasfördermethode – die Gesetze zu lockern. Im Artikel wirft ein namhafter Geologe den Gegnern des Verfahrens fachliche Unkenntnis vor: „Der Widerstand ist leider rein emotional begründet.“ Nebenbei: Denselben Satz hörte ich vor 35 Jahren als Gymnasiast bei einem Besuch im AKW Gösgen auch schon einmal. Gebohrt werden soll u. a. in der Region des Bodensees, der fast fünf Millionen Menschen als Trinkwasserreservoir dient. „Warum braucht es eine Auseinandersetzung mit Natur am Gymnasium?“ weiterlesen

Titanic und die Kultur im Eisberg

von Eric Schmutz

Kürzlich sah ich die Titanic mit einem Eisberg kollidieren und mit dem wie immer adrett gekämmten Leonardo DiCaprio in die Tiefe der Kinoleinwand sinken. Ich sah den Untergang des Dampfers, auf dem zwischen der ersten und der dritten Klasse die Kulturen aufeinanderprallen. Oben das schöne Leben mit Musik, Kunst und gehobener Unterhaltung, unten Starkbier und wilde Party. Millionenfach seit dem realen Untergang 1912 musste das Schiff als Metapher herhalten für das Scheitern der technisierten und kultivierten Welt. „Titanic und die Kultur im Eisberg“ weiterlesen