Stimmen zum Sparen

,,Bildungsabbau nicht mit uns!“

Ich höre es noch in meinen Ohren. 500 SchülerInnen versammelt vor dem Regierungsgebäude in Liestal. Grund dafür: die Sparmassnahmen von Frau Gschwind und ihren Verbündeten. Sie legen uns „Optimierungspläne“ vor, die Aussage ist klar: Platz den Strassen, verbaut die Bildung. Wir sollen auf Klassenlager, Freifächer und bezahlten Musikunterricht verzichten, dafür sollte Frau Pegoraro ihr ELBA-Ausbau-Projekt verwirklichen dürfen. 1,8 Milliarden Franken hätte der Spass gekostet. Das einzig Witzige daran ist die Dreistigkeit der rechtsbürgerlichen Regierung, die meint, wir lassen uns das gefallen. Eine Zweiklassengesellschaft aufzubauen kann und darf nicht das Ziel sein. Sobald wir aber für Musikunterricht bezahlen müssen, wird dies der Fall sein. Wenn Freifächer gekürzt werden, kürzt man uns die Möglichkeit auf freie Entfaltung. Wenn Klassenlager wegfallen, lernen wir wichtige soziale Aspekte erst spät oder nie kennen. Unsere Ressourcen werden knapp, wir betonieren alles zu. Was uns bleibt, ist die Bildung – eine Strasse, die nicht in einer Sackgasse endet. Caroline Stephan, SO-Präsidentin Stimmen zum Sparen

In Erinnerung an Jacques Wirz (1926 – 2015)

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Foto: Nu

von Robert Labhardt

Ein Erinnerungsbild: Zielstrebig, leicht nach vorne gebeugt, eilt er mit langen Schritten durch den Schulkorridor, zu einer Besprechung, einem Stundenbesuch, einer Abklärung. Am 22. September verstarb Jacques Wirz, der Gründungsrektor des Gymnasiums Muttenz, im Alter von 89 Jahren nach einem Sturz. Sein entschiedener Gang war in den letzten Jahren unsicher geworden, sein Geist jedoch blieb bis zuletzt wach. In Erinnerung an Jacques Wirz (1926 – 2015)

Blinzelnd im Austausch mit der Welt

von Brigitte Jäggi, Rektorin

FC Basel gegen FC St. Gallen. Letztes Spiel der Saison. In der 58. Minute reagiert Trainer Sousa und nimmt Davide Callà vom Feld. Anstelle von Callà kommt Breel Embolo aufs Spielfeld und „dieser sorgt gleich für Betrieb“. Folglich hat der Trainer mit diesem Spieleraustausch das Richtige getan, er hat durch den Austausch wieder Bewegung ins Spiel gebracht. Blinzelnd im Austausch mit der Welt

Bildungsstalinismus

oder: Was wir von der Welt nicht lernen wollen, von Willi Ebert

Rostow-am-Don, Juni 2011. Heute ist der Tag X. Im ganzen russischen Riesenreich finden die Schulabschlussprüfungen statt, und zwar dieselbe Prüfung und gleichzeitig, d.h., um eine Stunde verschoben, je nach Zeitzone, und in sechs Varianten. Aber damit haben die Maturanden längst leben gelernt. Schon Monate zuvor konnte man auf dem Internet die Aufgaben kaufen (für einen Dollar das Stück) und die Lösungen (zwei Dollar), ja, gewisse Aufgaben waren schon auf dem Netz, bevor sie die Moskauer Prüfungskommission beschlossen hatte! Bildungsstalinismus

Wissen, Erkenntnis und Entscheidungen

von Brigitte Jäggi, Rektorin

Welchen Sinn hat die Präimplantationstechnik? Welche Gefahren drohen Studierenden, die zur Leistungssteigerung Hirndoping benutzen? Wieso ist das Fracking eine problematische Methode zur Energiegewinnung? Könnten die Erdrutsche im Tessin im vergangenen Herbst keine gewöhnlichen Vorkommnisse gewesen sein? Was verbirgt sich hinter der unendlichen Geschichte um die Feldreben-Deponie in Muttenz? Welche Vorteile bringen humanoide Roboter unserer alternden Gesellschaft? Wissen, Erkenntnis und Entscheidungen

Warum braucht es eine Auseinandersetzung mit Natur am Gymnasium?

von Markus Hilfiker

Am 15. Dezember 2014 brachte der Tagesanzeiger als einzige Schweizer Zeitung die Meldung, der Bund plane, für das Fracking – eine äusserst umstrittene Gasfördermethode – die Gesetze zu lockern. Im Artikel wirft ein namhafter Geologe den Gegnern des Verfahrens fachliche Unkenntnis vor: „Der Widerstand ist leider rein emotional begründet.“ Nebenbei: Denselben Satz hörte ich vor 35 Jahren als Gymnasiast bei einem Besuch im AKW Gösgen auch schon einmal. Gebohrt werden soll u. a. in der Region des Bodensees, der fast fünf Millionen Menschen als Trinkwasserreservoir dient. Warum braucht es eine Auseinandersetzung mit Natur am Gymnasium?

Wir l(i)eben Kultur

von Brigitte Jäggi, Rektorin

Kultur oder kulturelle Bildung an der Schule, ist das ein Thema? Ist Erziehung im weitesten Sinn nicht Teil einer Kultur, die uns von unseren tierischen Verwandten unterscheidet? Und dennoch kommen uns beim Begriff „Schule“ zunächst eher Stoff, Noten und Lehrpersonen in den Sinn, nicht aber Literatur, Musik und Kunst. Wir l(i)eben Kultur

Titanic und die Kultur im Eisberg

von Eric Schmutz

Kürzlich sah ich die Titanic mit einem Eisberg kollidieren und mit dem wie immer adrett gekämmten Leonardo DiCaprio in die Tiefe der Kinoleinwand sinken. Ich sah den Untergang des Dampfers, auf dem zwischen der ersten und der dritten Klasse die Kulturen aufeinanderprallen. Oben das schöne Leben mit Musik, Kunst und gehobener Unterhaltung, unten Starkbier und wilde Party. Millionenfach seit dem realen Untergang 1912 musste das Schiff als Metapher herhalten für das Scheitern der technisierten und kultivierten Welt. Titanic und die Kultur im Eisberg

Ausprobieren, scheitern, erfolgreich sein

Martin Zimmermann ist Rektor der Kantonsschule in Wetzikon, an der seit 2004 das Konzept des Selbstlernsemesters (SLS) durchgeführt wird. Dabei lernen die Schülerinnen und Schüler während eines Semesters in mehreren Fächern selbstständig an eigenen Lernprojekten. Das Besondere dabei ist, dass der Klassenunterricht aufgelöst wird und die Lehrperson nicht mehr doziert, sondern vielmehr zur Lernberatung- und -begleitung der Lernenden wird.

Was in Wetzikon als Antwort auf eine Sparmassnahme im Kanton Zürich begonnen hatte, ist mittlerweile eine landesweit anerkannte pädagogische Pionierarbeit geworden. Selbstorganisiertes Lernen (SOL) wird beispielsweise im Kanton Bern an Gymnasien flächendeckend eingeführt. Die Kantonsschule Wetzikon ist Vorreiterin in der Umsetzung des Selbstorganisierten Lernens und auch Vorbild für unser Gymnasium. An der Schulinternen Weiterbildung (SchiWe) im Februar 2014 war eine grössere Delegation von Lehrpersonen dort, um sich mit dem Selbstlernsemester auseinanderzusetzen.

Ausgehend davon haben Daniel Nussbaumer und Timo Kröner mit Herrn Zimmermann ein Interview über das SLS geführt, das in Muttenz im Schuljahr 2016/17 erstmals stattfindet. Ausprobieren, scheitern, erfolgreich sein