
Unser Chor hat den Advent gefeiert, indem er das Publikum im Beton-Brutalismus der Römisch-Katholischen Kirche Muttenz mit Carmina Burana episch weggehauen hat. Es erklangen zuvor aber auch besinnlichere Töne, dafür sorgten auch der Gym Kammerchor und die Auftritte zweier Solistinnen des aktuellen Matura-Jahrgangs. Hier erzählen im Duett die Chor-Sängerin Joanna Ewa Dymurska und die Musikmaturandin Elina Maria Umbricht, wie sie das Konzert erlebt haben. Lead, Video und Fotos: Nu
Joanna Ewa Dymurska: Im Pfarreisaal herrscht bereits eine spürbare Aufregung. Die Atmosphäre ist elektrisierend, und letzte Schliffe an den Kostümen werden vorgenommen. Es ist wieder so weit: Das diesjährige Weihnachtskonzert steht bevor. Die Schülerinnen und Schüler betreten voller Selbstbewusstsein die Kirche und verteilen sich im Saal, bereit, mit dem Lied „Spirit of God“ zu starten.
Elina Maria Umbricht: Ich sitze mit meiner Familie im Publikum und lausche gespannt den Klängen des Chores. Von hinten betreten die Sängerinnen und Sänger den Raum und bewegen sich in Richtung Bühne. Doch anstatt sich erwartungsgemäss vorne aufzustellen, verteilen sie sich im Raum. So erklingen die ersten Töne des diesjährigen Weihnachtskonzerts mit „Spirit of God“ von allen Seiten, und die Zuhörer werden von den ruhigen, harmonischen Klängen umhüllt.
Obwohl der Beginn reibungslos verläuft, geschieht bald ein unerwarteter Vorfall – die Bühne gibt in einer Ecke nach und sorgt kurz für Unruhe. Doch mit bemerkenswerter Gelassenheit wird die stressige Situation rasch bewältigt, und das Konzert kann seinen Lauf nehmen. Das Publikum lauscht gebannt und lässt sich von den Stücken mitreissen.
Es erklingt das Lied „Human Heart“, nach dem auch unser Konzert benannt wurde, und es überkommt mich eine Gänsehaut. Im ersten Teil des Konzerts präsentieren die Sängerinnen und Sänger viele verschiedene Lieder, manche weihnachtlicher, andere weniger. Meine Stimmung schwankt zwischen „Schade, dass ich dieses Jahr nicht mitsingen kann“ und „Was für ein unglaublich schönes Erlebnis, den Chor einmal von aussen zu hören!“
Auf der Bühne selbst muss man aufpassen, nicht zu sehr von den Emotionen mitgerissen zu werden. Sobald die anfängliche Nervosität abklingt, taucht man in einen regelrechten Fluss von Gefühlen ein. Nach dem Auftritt des grossen Chors präsentiert der Kammerchor Weihnachtslieder aus aller Welt, unter anderem zwei Versionen des Stückes „O Heiland, reiss die Himmel auf“. Tuula Wittstich verzaubert das Publikum mit einem berührenden Lied „An den Mond“ von Franz Schubert, und auch Elina Umbricht präsentiert ein wunderschönes Stück auf dem Akkordeon.
Obwohl meine Stimme praktisch nicht vorhanden ist, darf ich trotzdem einen Beitrag zum Konzert leisten. Es gibt auch dieses Jahr wieder musikalische Beiträge der vierten Musikklasse, weshalb ich mit meinem Akkordeon direkt nach der Pause ein Stück vorspiele. Ich bin nicht wirklich aufgeregt, möchte aber natürlich trotzdem schön spielen. Plötzlich achte ich zu wenig auf die Noten und spiele einen falschen Ton. Ich versuche, es so gut wie möglich zu retten, doch mit einem falschen Fingersatz ist das nicht ganz einfach. Dennoch finde ich wieder zu den richtigen Tönen und kann das Stück ohne weitere Schwierigkeiten zu Ende spielen. Man könnte sich jetzt über diesen Fehler ärgern, aber das würde ja auch nichts ändern. Eine kluge Person hat mir einmal gesagt: „Wer sich über die wenigen falsch gespielten Töne ärgert, der hat es nicht verdient, dass man die vielen anderen richtig spielt.“ So schliesse ich zufrieden mit meinem kleinen Auftritt ab und setze mich für den zweiten Teil des Konzerts wieder ins Publikum.
Nach den Beiträgen der Solistinnen starten wir zum Finale: Für die „Carmina Burana“ stimmen wir dramatisch ein hallendes „O Fortuna“ an. Das neoklassische Werk von Carl Orff, das der Chor bereits im Stadtcasino präsentiert hat, entfaltet in der Beton-Architektur der katholischen Kirche eine gänzlich neue Wirkung. Das Echo verleiht dem Gesang einen beinahe ausserweltlichen Effekt. Nach knapp zwei Stunden endet das diesjährige Weihnachtskonzert mit dem Mundart-Klassiker „W. Nuss vo Bümpliz“, und auf der Bühne ist es schön zu sehen, wie einzelne Zuschauerinnen und Zuschauer mitsingen.
















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