Episch weggehauen

Elina Maria Umbricht: Ich sitze mit meiner Familie im Publikum und lausche gespannt den Klängen des Chores. Von hinten betreten die Sängerinnen und Sänger den Raum und bewegen sich in Richtung Bühne. Doch anstatt sich erwartungsgemäss vorne aufzustellen, verteilen sie sich im Raum. So erklingen die ersten Töne des diesjährigen Weihnachtskonzerts mit „Spirit of God“ von allen Seiten, und die Zuhörer werden von den ruhigen, harmonischen Klängen umhüllt.

Es erklingt das Lied „Human Heart“, nach dem auch unser Konzert benannt wurde, und es überkommt mich eine Gänsehaut. Im ersten Teil des Konzerts präsentieren die Sängerinnen und Sänger viele verschiedene Lieder, manche weihnachtlicher, andere weniger. Meine Stimmung schwankt zwischen „Schade, dass ich dieses Jahr nicht mitsingen kann“ und „Was für ein unglaublich schönes Erlebnis, den Chor einmal von aussen zu hören!“

Obwohl meine Stimme praktisch nicht vorhanden ist, darf ich trotzdem einen Beitrag zum Konzert leisten. Es gibt auch dieses Jahr wieder musikalische Beiträge der vierten Musikklasse, weshalb ich mit meinem Akkordeon direkt nach der Pause ein Stück vorspiele. Ich bin nicht wirklich aufgeregt, möchte aber natürlich trotzdem schön spielen. Plötzlich achte ich zu wenig auf die Noten und spiele einen falschen Ton. Ich versuche, es so gut wie möglich zu retten, doch mit einem falschen Fingersatz ist das nicht ganz einfach. Dennoch finde ich wieder zu den richtigen Tönen und kann das Stück ohne weitere Schwierigkeiten zu Ende spielen. Man könnte sich jetzt über diesen Fehler ärgern, aber das würde ja auch nichts ändern. Eine kluge Person hat mir einmal gesagt: „Wer sich über die wenigen falsch gespielten Töne ärgert, der hat es nicht verdient, dass man die vielen anderen richtig spielt.“ So schliesse ich zufrieden mit meinem kleinen Auftritt ab und setze mich für den zweiten Teil des Konzerts wieder ins Publikum.

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