
The Drop That Contained the Sea – Das Chorkonzert des Gymnasiums Muttenz vom Oktober 2024
Surrende Aufregung und festliche Stimmung im grossen Saal des Gemeindezentrums Mittenza in Muttenz. Die Angehörigen, Freund*innen und Lehrkräfte der Mitglieder des Chors des Gymnasiums Muttenz und der Jungen Birsphilharmonie, des Orchesters der Musikschulen des Kantons Basel-Landschaft, freuen sich auf das Konzert. Und sie spenden begeisterten Applaus, als sich der Chor aufstellt und das stolze Orchester erscheint. Von Ines Lilian Siegfried (Fotos: Daniel Nussbaumer)
An diesem Samstagabend im Mittenza wird nicht nur das erste von zwei Konzerten stattfinden, an diesem Abend wird auch ein Jubiläum gefeiert. Und es sind gleich sechs Jubilare – die Musikschulen Gelterkinden, Liestal, Münchenstein, Muttenz, Pratteln und Sissach, die gar ein Jahr älter ist, feiern zusammen 361 Jahre. Frau Regierungsrätin Kathrin Schweizer begrüsst das Publikum im vollbesetzten Raum, wo in der vordersten Reihe auch die Muttenzer Gemeindepräsidentin, Franziska Stadelmann, sitzt, und gratuliert von ganzem Herzen. Sie meint, Musik sei wie Wasser – das Thema des Chorwerkes von Christopher Tin A Drop That Contained the Sea – ständig in Bewegung, Symbol von Leben und Veränderung.

Der Konzertabend wird eröffnet von der Jungen Birsphilharmonie unter der Leitung von Raphael Ilg mit Danzón No 2 von Arturo Márquez und entführt uns gleich mit wunderbar sanft-sinnlichen Klängen in die musikalische Welt Mittelamerikas. Leicht wiegt man sich im Takt und erfährt den Übergang in eine drängende, fordernde Steigerung und temperamentvolle Vehemenz, die dann wieder in die weiche und anschmiegsame Stimmung des Anfangs münden.

Dass das Hauptwerk des Abends, The Drop That Contained the Sea aus der Feder des amerikanischen Komponisten Christopher Tin, Wasser zum gemeinsamen Thema hat, wird gleich mit dem ersten Stück klar gemacht. Der Text dieses Water Preludes besteht aus Variationen des Wortes, die Musik schwillt an wie Wasser und zum Schluss wird man mit diesem eingesogen. Diesem Einstieg folgen neun Nummern, die das Wasserthema in seiner immensen Symbolik, Kraft und kulturellen Auseinandersetzung auffächern. Eine musikalische Perle reiht sich an die andere und nimmt uns mit auf eine musikalische Weltreise.

Arabische Klänge und das sich fortwährend wiederholende Elhamdüülilla zeugen von der spirituellen Bedeutung des Wassers im Sufismus. Dunkle Wolken kommen immer näher und möchten sich in einem Unwetter entladen, von dem der bulgarische Freiheitsdichter Hriso Botev im Gedicht geschrieben hat, das diesem Lied zugrunde liegt. Streicher, Röhrenglocke, Klicklaute und das grossartige Solo erzeugen einen Spontanapplaus für das Iza Nogmo, einem in der südafrikanischen Sprache Xhosa gesungenen Lieds, das den Kreislauf des Wassers beschreibt. Das mongolischer Tsas Narad Uryana lässt nicht nur den Schnee im Liedtext schmelzen, sondern auch unsere Herzen, die vom fulminanten Solo ergriffen werden. Eindringlich rührende Melancholie des vergehenden Sommers vermittelt das portugiesische Passou o Verão, das Christopher Tin als Fado komponiert hat. Indische Klänge und einen langen Atem im Devipravaha und gefährlich verlockende Sirenengesänge der vier Solistinnen, deren süsser Mehrstimmigkeit man sich kaum entziehen kann, schliessen sich an und die Röhrenglocken mahnen, dass auch uns einmal die letzte Stunde schlagen wird. Im auf Alt-Isländisch gesungenen neunten Stück sind wir vollends ins stürmische Meer geraten, Trommel- und Piccoloklänge schildern diese tobende Situation. Doch wir überstehen diesen Sturm, als uns Waloyo Yamoni zugerufen wird, und münden ins kraftvolle Finale, in dem alle nochmals voll zur Geltung kommen, die jungen Musiker*innen des hervorragenden Orchesters, die wunderbaren Stimmen des Chors des Gymnasiums Muttenz, die hinreissenden Soli von Aimée Streefkerk, Mia Jaeggi, Tabea Sterchi, Aline Zingg, Ruben Stritt, Emmanuel Kazis und Azad Gökbas und die engagierte und präzise Arbeit der Leitung von Christoph Huldi und Jürg Siegrist.

Nochmals aufgeführt wird das Konzert anderntags im Paul-Sacher-Saal des Musik- und Kulturzentrums Don Bosco. Der langgezogene ehemalige Kirchenraum erzeugt eine geschlossenere und noch konzentriertere Stimmung und bereitet der Arbeit an diesem grandiosen Konzert, die über ein halbes Jahr gedauert hat, einen würdigen Abschluss. Dass sich hier wie am Abend vorher im grossen Saal des Mittenza das Publikum mit einer Standing Ovation bedankt, ist mehr als verdient. Wurde uns doch ein musikalisches Feuerwerk höchster Güte beschert. Die Zugabe mit Christopher Tins berühmten Baba Yetu zeugt noch einmal davon, wie virtuos und süffig seine Musik ist und mit welcher differenzierten Kenntnis des musikalischen Erbes verschiedenster Kulturen er sie komponiert hat.









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