«Mein gesamtes Leben dreht sich um Medien»

Lisa Cruz leitet seit zwei Jahren die Mediothek des Gymnasiums Muttenz. Sie recherchiert, organisiert, bestellt, berät, beruhigt – und gibt nebenher Schminktipps. Porträt einer gemütlichen Perfektionistin. Von Michael Baumgärtner (Fotos: Daniel Nussbaumer)

Es dauert nicht lange, bis Lisa auf das Offensichtliche zu sprechen kommt: «Ich bin immer sehr geschminkt.» Heute hat sie sich für einen schmalen, giftgrünen Lidstrich entschieden, der elegant über die äusseren Augenwinkel hinausreicht und spitz zuläuft. «Ich schminke mich seit etwa 7 Jahren praktisch jeden Tag. Ich wollte damals etwas Kreatives machen, das nicht zu sehr ins Geld geht. Also habe ich mit dem Schminken begonnen.» Das Schminken ist Lisas Art, sich unausgesprochen auszudrücken: «Ich möchte nicht aus der Menge herausstechen, aber wenn die Leute mit mir sprechen, mag ich es, wenn sie bereits eine Vorstellung davon haben, wie ich bin.» Die Reaktionen auf ihre Kunst lassen jeweils nicht lange auf sich warten: «Eine Schülerin ist einmal extra zu mir ins Büro gekommen, hat geklopft und gesagt: ‹Sie sind immer mega schön geschminkt.›» Es sind allerdings eher die Lehrpersonen, die sich bei Lisa Schminktipps holen.

Gegensätze

Was wissen wir noch nicht über Lisa Cruz? Sie ist tierlieb und hält zuhause eine Katze, Fische und einen Höckerkopfgecko. Sie mag es ruhig und gemütlich und geht dennoch gerne an Metal-Konzerte. Obwohl sie kaum Fantasy-Romane liest, ist sie leidenschaftlicher Fan der Herr der Ringe-Trilogie. Nebst zahlreichen Sonderausgaben schenken ihr ihre Freunde regelmässig Gadgets aus Mittelerde: «Zu meinem letzten Geburtstag habe ich das Schwert von Arwen erhalten.» Den Schlüssel von Erebor besitzt sie ebenso wie Arwens Halskette und natürlich den Ring der Macht. «Wenn meine Freunde nicht wissen, was sie mir schenken sollen, suchen sie nach Herr der Ringe-Objekten, das kommt bei mir immer gut an.» Ihr Lieblingsgenre sind aber Krimis, ganz besonders die Romane von Andreas Gruber: «Die habe ich alle gelesen und ich finde sie alle gut. Zufälligerweise haben wir die Bücher nun auch in der Mediothek», erklärt sie augenzwinkernd.

Faszination

Für den Beruf der Bibliothekarin interessiert sich Lisa seit ihrer Kindheit. Mit Büchern hatte das zunächst wenig zu tun: «Ich fand es faszinierend, dass die Bibliothekarinnen ein Biep-Gerät hatten, mit dem sie Bücher einlesen konnten. Deshalb wollte ich von klein auf in einer Bibliothek arbeiten.» Nach der Schulzeit hat sie ohne grosse Ambitionen eine Schnupperlehre als Friseurin begonnen, bis ihr eine Berufsberaterin die Ausbildung zur Fachfrau Information und Dokumentation – so die offizielle Berufsbezeichnung – vorgeschlagen hat. Die dreijährige Lehre hat sie an der Unibibliothek Basel absolviert, wo sie anschliessend weiterbeschäftigt wurde. Umgeben von trockener wissenschaftlicher Literatur, hat sie in dieser Zeit jedoch den persönlichen Bezug zum Buch verloren, hat kaum noch selbst gelesen. Als sie schliesslich auf die Stellenausschreibung für die Mediothek des Gymnasium Muttenz aufmerksam wurde, hat sie nicht lange gezögert: «Hier am Gymnasium kommen die Schüler:innen mit Fragen und Bestellvorschlägen auf mich zu. Ich kann hier alles machen – von der Buchbestellung bis zur Ausleihe. Ich bin jeden Tag froh, hier zu arbeiten.»

Gefühle

An der Arbeit in der Mediothek schätzt sie besonders den vielfältigen Kontakt mit ihrer jungen Kundschaft: «Die Schüler:innen sind immer sehr nett. Ich habe mit verschiedenen Altersgruppen gearbeitet, aber bei ihnen merkt man besonders, wie dankbar sie sind. Ich mag sehr, wie offen und freundlich sie sind, sie grüssen mich immer.» Den Austausch mit Lehrpersonen über Neuerscheinungen in den Fachbereichen findet sie anregend und sie investiert viel Zeit in die Suche nach geeigneten Titeln. Bei der Recherche achtet sie darauf, wie oft sie von einem Buch hört und wie es rezensiert wird. «Ich bin schon ein bisschen perfektionistisch», gibt sie zu. Manchmal sei es aber auch ein Bauchgefühl, das mit zunehmender Erfahrung zuverlässiger werde, erklärt die Dreissigjährige. An Unterstützung mangelt es ihr nicht: «Es gibt eine Gruppe Schülerinnen, die mir jede Woche neue Bücher zur Anschaffung vorschlagen. Ich informiere mich dann, was die Jugendlichen gerne lesen, welche Themen für sie interessant sind. Darin kann ich mich verlieren, das braucht entsprechend auch viel Zeit.» Und welche Bücher werden besonders gerne ausgeliehen? «Alles von Juli Zeh und Ferdinand von Schirach. Martin Suter und Bernhard Schlink sind auch beliebt. Ansonsten viele Romane, die in den Ferien am Strand gelesen werden, für die blosse Lust am Lesen.»

Zukunft

Die Lust am Lesen werde noch lange nicht verschwinden, behauptet Lisa und prophezeit der Schulbibliothek eine sichere Zukunft, trotz aller Unkenrufe. «Es wird immer Bücher geben, wenn auch weniger.» Denn zweifellos werde das Onlineangebot zunehmen, würden künftig viele Titel eher digital als analog genutzt. Lisa sieht dieser Entwicklung gelassen entgegen, sie betont die praktischen Aspekte digitaler Angebote. Auf der anderen Seite werde die Beratung an Bedeutung gewinnen: «Wir werden mehr noch als heute ein Raum sein, in dem man sich im ruhigen Rahmen austauscht. Der Ort und seine Bedeutung werden bleiben.»

Dankbarkeit

Dies macht sich nicht zuletzt in den heissen Phasen der Maturaarbeit und der Abschlussprüfungen bemerkbar: «Da werden die Anfragen häufiger.» Lisa versucht so gut wie möglich zu helfen und Bücher, nach denen sie gefragt wird, rasch zu bestellen. Die Schüler:innen reagieren oft erstaunt, da sie nicht damit rechnen, dass Lisa ihre Bestellanfragen berücksichtigt. «Wann ist ein Arbeitstag für dich gelungen?», frage ich Lisa zum Schluss. «Wenn niemand in der Bibliothek gegessen hat», antwortet sie lachend. Doch dann wird sie nochmals ernst: «Als im Februar die Selbständigen Arbeiten der 2. FMS-Klassen gebunden werden mussten, war das ein anstrengender Tag. Die Schüler:innen standen Schlange und waren gestresst. Es gelang mir aber, sie zu beruhigen und ihnen zu helfen. Und als sie ihre fertigen Arbeiten in der Hand hielten, sagten sie zum Abschied: ‹Dankeschön. Die sehen mega schön aus!›»

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