Konzert des Gymchors Muttenz: Ein kollektives Gesamtkunstwerk in der Vorfasnachtszeit

Musik als geteiltes Erlebnis

Die Inszenierung von Salomé Im Hof war ein Paradebeispiel für gelebte Kooperation. Hier wurde nicht gegeneinander angetreten, sondern miteinander gestaltet – ohne Konkurrenzdruck, aber mit viel Leidenschaft. Jede beteiligte Gruppe brachte sich nach ihren Möglichkeiten ein und war ein essenzieller Bestandteil des Gesamtwerks.

So sassen die rund hundert Sängerinnen und Sänger des Schulchors der Rudolf Steiner Schule Aesch auf den Seitenbalkonen, neben der Orgel, und fügten sich mit ihrem Gesang ins klangliche Geschehen ein – mitunter zaghaft, doch immer mit spürbarer Hingabe.

Der Chor des Gymnasiums Muttenz war noch enger in die Inszenierung eingebunden. Unsere Sängerinnen hatten die Möglichkeit, szenische Momente aktiv mitzugestalten und sangen teils gemeinsam mit dem Jungen Basler Kammerchor. Das war eine besondere Erfahrung: mitten unter Profis, unmittelbar im Klangstrom – eine mitreissende Herausforderung.

Den Kern der Aufführung bildeten die Sängerinnen und Sänger der Jungen Oper des Theaters Basel. Sie sangen, tanzten und rezitierten auf beeindruckendem Niveau. Ein Höhepunkt war die Rezitation von „Verfluchtes Eisen“, einer Übersetzung von Veljo Tormis’ Stück „Raua Needmine“. Der kraftvolle, von kriegerischen und rituellen Motiven geprägte Text stammt ursprünglich aus dem Kalevala, dem finnischen Nationalepos, und steht in Verbindung mit Frühlings- und Fasnachtsritualen, die bis in antike Dionysoskulte zurückreichen.

Ein farbenfrohes Miteinander

Ein weiterer starker Akteur des Abends war der Junge Basler Kammerchor, der mit seiner stimmlichen Ausdruckskraft beeindruckte. Obwohl das Ensemble historisch gesehen jung ist, waren einige Mitglieder mit ihren grau melierten Haaren deutlich älter als die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten – eine spannende Mischung von Generationen und Erfahrungen.

Ergänzt wurde das Gesamtkunstwerk durch vier professionelle Solistinnen und Solisten, eine Organistin, einen Pianisten sowie ein Schlagzeugensemble. Besonders das Arrangement von Jonas Marti überraschte mit kreativen Instrumentierungen: Pauken und Marimbafone ersetzten Teile des ursprünglichen Orchesters – eine farbenreiche, pointierte Interpretation von Mendelssohns „Erster Walpurgisnacht“.

Gemeinschaft als Klang

Letztlich war dieses Konzert mehr als die Summe seiner Teile. Selbst wenn einzelne Passagen nicht in Perfektion geschliffen waren, entstand etwas Grösseres: ein vielschichtiges, mitreissendes Gesamtkunstwerk, das beim Publikum hervorragend ankam.

Es ist eine Kunst für sich, ein Projekt dieser Komplexität mit so viel Energie und Ausdruckskraft auf die Bühne zu bringen. Und doch geschah genau das an diesem Abend: Menschen traten aus der winterlichen Kälte heraus, verwandelten sich in farbenfrohe Gestalten und feierten in einer Art frühlingshafter Ekstase die Wiedergeburt des Lebens. Ein Kollektiv, das sich gemeinsam entfaltet – was für ein starkes Bild für den gesellschaftlichen Zusammenhalt!

Ganz im Sinne von Goethes Schlusszeile aus „Die erste Walpurgisnacht“:
„Dein Licht, wer kann es rauben?“

Oder, in abgewandelter Form: „Aufklärung – was wird von dir bleiben?“


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