
Am 26. November 2025 hielt Professor Jakob Zinsstag, Leiter der Abteilung für Epidemiologe am Tropeninstitut, einen Vortrag über Ansätze zur Bekämpfung von Zoonosen. Dabei behandelte er Themen wie Impfkampagnen in Afrika, Biosicherheit und Tierschutz.
von Salome Weber und Sanela Ibisevic (F3b, Text und Bilder)
Warum viele Krankheiten ihren Ursprung im Tierreich haben
Zoonosen sind Krankheiten, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden. Eine Ansteckung erfolgt entweder durch den direkten Kontakt mit infizierten Tieren, zum Beispiel durch einen Hundebiss, oder durch den Konsum von verseuchten Lebensmitteln. Zoonosen können durch Viren, Bakterien, Pilze und andere Parasiten verursacht werden. In der Schweiz ist das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen zusammen mit anderen Bundesämtern für die Bekämpfung und Überwachung von Zoonosen zuständig.
Warum Zoonosen mehr sind als ein medizinisches Thema
Politik, Forscher*innen sowie Ärzte und Ärztinnen müssen eng zusammenarbeiten, denn Zoonosen stellen globale Risiken dar. Krankheiten können sich von einzelnen Personen auf die ganze Bevölkerung ausbreiten. Schlechte Tierhaltung und der Verkauf von infiziertem Fleisch können gravierende Folgen haben. Deshalb ist es wichtig, auf globaler Ebene zu verhandeln, um Präventionsmassnahmen zu verschärfen und die medizinische Forschung zu fördern.
Zoonosen sind zudem ein ökologisches Warnsignal. Lebensräume schrumpfen, häufig durch menschliche Zerstörung, wodurch Wildtiere näher an zivilisierte Siedlungen rücken. Dadurch entstehen neue Kontaktflächen für Krankheitserreger, die von Menschen verursacht werden. Ganz klar kann man das in Ländern wie Thailand und Tschad sehen. Die Menschen in Thailand handeln mit Enten, Gänsen und Vögeln auf Märkten, was zu Krankheiten führen kann, die von Menschen verursacht werden. Im Tschad verkaufen Händler Hunde und essen diese, ohne zu wissen ob das Tier infiziert ist.
Es ist daher wichtig, dass die Politik für die Erhaltung von Lebensräumen kämpft und sich für Wildtiere einsetzt.
Prävention: Momentane Verbesserungen von zoonotischen Krisen
Momentan werden schon Massnahmen für die Bekämpfung von Zoonosen gezogen. Herr Zinsstag hat über seine Erlebnisse als Tierarzt und engagierter Helfer erzählt, was wir am spannendsten in der Präsentation fanden. Als Tierarzt hat er schon viele Einsätze in afrikanischen Ländern gehabt. Er und andere Ärzte, Ökonomen und Wissenschaftler haben bereits ganze Dörfer in Afrika geimpft und tausende von Strassenhunden behandelt.
In vielen Regionen werden nicht nur Menschen, sondern parallel auch Nutztiere geimpft. Tollwut ist dafür ein klassisches Beispiel: Wenn Hunde geimpft werden, schützt man Menschen präventiv. Solche kombinierten Kampagnen sind effizienter, kostengünstiger und in den afrikanischen Dörfern besser akzeptiert, weil sie den Alltag der Menschen berücksichtigen. Frauen und Kinder werden geimpft, die normalerweise nicht die Möglichkeit dazu hätten.
Lohnt es sich, Millionen von Tieren zu impfen?
Viele Zoonosen lassen sich am effektivsten dort bekämpfen, wo sie entstehen. Durch das Impfen von Tieren werden Infektionsketten unterbrochen, bevor Krankheiten auf den Menschen überspringen. In Afrika gibt es bereits grosse Erfolge bei der Bekämpfung der Tollwut. Hohe Impfquoten bei Hunden senken die Zahl menschlicher Erkrankungen und verbessern gleichzeitig das Tierwohl.
Impfungen sind zwar teuer, doch Pandemien verursachen deutlich höhere Kosten. Tierimpfprogramme sind im Vergleich zu Krankenhausbehandlungen, Lockdowns, Arbeitsausfällen und Notfallhilfen kosteneffizient. Jakob Zinsstag berichtete, dass seine Kampagne viel kostengünstiger ausgefallen ist, durch parallele Impfungen von Tier und Mensch.
Daher sollte die Politik mehr Gelder in solche Impfprojekte investieren. Jakob Zinsstag macht deutlich, dass ihm dieses Anliegen besonders wichtig sei und er sich stark für eine bessere Unterstützung einsetze.

Wie kann die Politik etwas verändern?
Jakob Zinsstag meinte, dass vor allem der Tierschutz sowie die artgerechte Haltung zentrale Aufgaben der Politik seien. Tiere sollen vor Misshandlungen und leid geschützt werden. In der Präsentation sagte er: «Jeder Bauer kann nur so viele Kühe auf die Alp bringen, wie er im Winter füttern kann». Damit ist gemeint, dass verantwortungsvolles Handeln vorausschauende Planung erfordert und nicht erst dann einsetzt, wenn eine Krise bereits eingetreten ist. Übertragen auf den Umgang mit Zoonosen bedeutet dies, dass es Aufgabe der Politik ist, präventive Rahmenbedingungen zu schaffen, um Risiken frühzeitig zu begrenzen, anstatt ausschliesslich auf Krankheitsausbrüche zu reagieren
Was sagen die Politiker in der Schweiz?
Ein grosser Auslöser der Zoonosen ist die Massentierhaltung. Jakob Zinsstag nannte drei Länder, in denen diese besonders verbreitet sei: China, Thailand und Tschad. In China und in Thailand stellt vor allem die Massentierhaltung von Hühnern, Enten und Gänsen ein grosses Problem dar. Doch nicht nur dort, sondern auch in der Schweiz nimmt die industrielle Tierproduktion zu.
Am 25. September 2022 hat die Schweiz über die Massentierhaltungsinitiative abgestimmt. Die Initiative gegen Massentierhaltung hatte konkrete Forderungen an die industriellen Tierproduktion in der Schweiz. Das Initiativkomitee forderte tierfreundliche Unterbringung und Pflege der Nutztiere, mehr Platz pro Tier und Möglichkeiten zum Spielen, Zugang ins Freie mit täglichem Weidezugang, schonende Schlachtung und neue Importvorschriften von Fleisch aus dem Ausland.
Die SP unterstützte die Massentierhaltungs-Initiative. Ihrer Meinung nach sind Nutztiere wie Kühe, Schweine und Hühner in der Landwirtschaft noch immer unzureichend geschützt. Sie werden zum Produkt abgewertet, als Ware gemästet und in grossen Mengen auf kleinem Raum gehalten.
Die SP argumentierte: «Die Massentierhaltung fördert das Risiko weiterer Pandemien, und die durch massive Futtermittelimporte vergrösserten Tierbestände belasten mit Stickstoff die Gewässer und weitere empfindliche Ökosysteme.«
Im Gegensatz dazu stimmte die SVP gegen die Massentierhaltung-Initiative: «Massentierhaltung in unserem Land existiert eigentlich nur im Bienenstock und keiner stört sich dort daran.«
Die SVP war der Ansicht, dass die Initiative schädlich sei, da Tierwohlverletzungen hauptsächlich bei Importen vorkämen. Bei einer Annahme der Initiative hätten sich diese Importe verdoppelt und die Preise wären um rund 40% gestiegen. Die SVP war auf der Seite der Bauern, da viele SVP-Wähler Bauern mit eigenen Nutztieren sind. Diese Massnahmen hätten eine negative Auswirkung auf sie gehabt, so das Argument.
Die Initiative wurde von der Bevölkerung mit 63% klar abgelehnt.
Unsere Meinung
Die Präsentation hinterliess bei uns einen sehr positiven Eindruck. Man erhielt einen Überblick über die Situation und das Thema. Ebenfalls gab es eine Fragerunde, bei der man sich Klarheit verschaffen konnte. Wir haben gemerkt, dass Jakob Zinsstag mit grosser Freude von seiner Leidenschaft erzählte.
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