
Es ist wieder so weit: Der Musical-Wahlkurs bespielt das Theater Roxy in Birsfelden mit seiner diesjährigen Produktion „Cut Loose“, der Adaption eines Musicals, das auf einem bekannten Film aus den 80er-Jahren basiert. Wir waren an der Premiere. Hier berichten wir, was wir erlebt haben. In diesem ersten Beitrag beschränken wir uns auf wenige Bilder, denn es sind noch nicht alle gesichtet und ausgewählt. In einem noch folgenden Blog-Beitrag zeigen wir eine grössere Foto-Galerie.
Von Daniel Nussbaumer (Text,Titelfoto und Schlussfoto) und Ida Samira Weiss (weitere Fotos)
Die Story ist zwar platt und der Umgang der Kerle mit den Frauen sowas von 80er! Aber da ist diese ungeheure Energie und Lust des Musical-Wahlkurses, das Publikum mitzureissen mit Tanz, Gesang und Live-Musik. Und so fliegen die Füsse der Company über die Bühne des Theaters Roxy Birsfelden – befreit von den Fesseln fundamentalistischer Moralvorstellungen, aber nicht ganz von sexistischen Stereotypen: Die Träume und die Gespräche der Frauen drehen sich fast nur um die Männer, insbesondere darum, wie sie möglichst viel Aufmerksamkeit und möglichst wenig Prügel von ihnen bekommen. Dabei haben sie gelernt, den Herren die Kanzel zu überlassen (Valentin Gianetto als Reverend Shaw Moore). Sie haben gelernt, zu schweigen wie Vi Moore (Ann-Sophie Bullinger) und dieses Schweigen in den rührendsten Melodien zu besingen: „Learning to be Silent“.
Die Inszenierung von Karolina Kowalska und Franziska Baumgartner kann diese Stereotype nicht brechen, allein schon weil die Songs eben die Songs sind, die gesungen werden müssen. Aber sie kann diese Vorgänge und Rollen reflektieren und mit einem Genderswitch in der Hauptrolle des Ren McCormack zumindest hinterfragen: Vanessa Häusler eignet sich diese ursprünglich männliche Rolle wie selbstverständlich an und wächst sicht- und hörbar daran im Verlauf der Performance. Sie bringt das in Bomont herrschende Tanzverbot des Reverend Moore zu Fall. Denn in Bomont steht alles still, Ren jedoch, aus der Grossstadt Chicago mit alleinerziehender Mutter hergezogen, kann das nicht: „I Can’t Stand Still.“ Sie muss aber aufpassen, denn „Somebody’s Eyes“ beobachten sie bei jedem Tanzschritt.
Auf jemanden wie Ren haben Ariel, Rusty, Wendy-Jo und Urleen gerade gewartet: „Holding on for a Hero“. Aber Joanna Dymurska braucht als Ariel keine Unterstützung von einem Helden. Sie haut trotz Erkältung den Song so krass heraus, dass das Roxy zum ersten Mal an dem Abend vor Begeisterung tobt. Diese Darstellerin braucht keinen Helden. Sie braucht Scheinwerferlicht, eine Band und ein Publikum! Das Gym Muttenz hat eine neue Belting Queen!
Doch zurück zur Handlung: Damit der Konflikt auch wirklich in Gang kommt und die Spannungskurve steigt, muss sich Trouble Maker Ren natürlich ausgerechnet in die Tochter des Reverend Moore verlieben, der aus Trauer über den Verlust seines Sohnes die Gemeinde mit eiserner Hand und absoluter Humorlosigkeit führt. Ariel, die von ihrem vormaligen Lover Chuck (Aryan Kumar) misshandelt wird und sich zu Ren hingezogen fühlt, kann später gerade noch der Züchtigung durch ihre Vater entgehen. Was im Film „Footloose“ der 80er-Jahre noch gegangen ist, soll hier nicht mehr stattfinden: Ariel stoppt die strafende Hand des Vaters kurz vor ihrem Gesicht.
Natürlich findet, einige Songs und Tanz-Moves danach, alles trotzdem ein gutes Ende. Das bedeutet: Ren kann den Reverend zwar nicht mit Bibelsprüchen davon überzeugen, dass Tanzen nicht gottlos ist, aber die beiden finden in der gemeinsamen Erfahrung des Verlustes – Rens Vater hat die Familie im Stich gelassen – eine Connection, die es ermöglicht, dass nicht nur der Tanzmuffel und Mama-Fan Willard (Max Wisler) seine Traumfrau Rusty findet, sondern alle zusammen an einer Riesen-Party „mit aller Macht vor dem Herrn“ tanzen (2.Samuel, 6,14). Dies zu einer Choreografie von Nicole Menzel, Aaruni Sureshkumar und Selma Terbeck, begleitet von der Live-Band unter der Leitung von Niels Pasquier. Der Funke springt über. Stillsitzen dazu ist unmöglich. Standing Ovation ein Muss. „You can fly if you’d only cut loose, footloose!“ Jetzt noch einmal an der Derniere.










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