Wie die Dinge ins Museum kamen.

Die Provenienzforscherinnen Daniela Müller und Julia Singh vom Museum der Kulturen zeigten anhand konkreter Beispiele auf, wie komplex, vielschichtig und facettenreich ihre Recherchen zur Herkunft von Museumsgegenständen sind. Jedes Objekt hat seine eigene Geschichte: Von der Herstellung und Nutzung bis zu seinem Weg nach Basel. Diese Geschichten können von Gewalt und kolonialem Unrecht geprägt sein. Eine wichtige Aufgabe der Museen ist es, diese Umstände zu benennen und Transparenz zu schaffen. Gut 100 Schüler*innen besuchten die Mittagsveranstaltung und zeigten waches Interesse am Thema.
Text: Alexandra Thomann
Fotos: Stefan Haltinner
»Meine Wahrnehmung bezüglich ausgestellter Objekte hat sich durch die Veranstaltung sehr verändert. Jetzt werde ich mir öfters überlegen, ob das Objekt nicht doch einem anderen Land, einer anderen Kultur gehört.» Lou-Maria Hartmann, 4MZ
«Provenienzforschung ist so wichtig, weil die ungerechtfertigt angeeigneten Objekte oft eine tiefe kulturelle oder religiöse Bedeutung haben.» Alana Mayor, 4MZ
Seit einigen Jahren sorgt die Frage nach der Herkunft von Kunst- und Kultur-Gütern für Aufmerksamkeit und wirft spannende Fragen auf. Daniela Müller und Julia Singh beleuchteten drei mögliche Wege, wie Objekte ihren Weg ins MKB fanden.
1894 erhielt der Bundesrat eine Kiste mit 45 altägyptischen Objekten – ein Staatsgeschenk des damaligen ägyptischen Vizekönigs. Neben legal eingeführten Kunstwerken wie diesen gibt es aber eine Vielzahl von Objekten, die bezüglich ihrer Herkunft genauer untersucht werden müssen. Das MKB beherbergt ca. 340’000 Objekte aus Afrika, Asien, Ozeanien, Europa und Amerika. Ein grosser Teil dieser Sammlung kam im Verlauf des 19. und 20. Jh. nach Basel, also auch in der Zeit des Kolonialismus.
Die Referentinnen erläuterten, wie nach der Eroberung Benins durch Grossbritannien der Königspalast des Oba 1897 geplündert wurde und nicht wenige Objekte über Grossbritannien den Weg in die Schweiz und nach Basel fanden. Im Rahmen der Benin Initiative Schweiz wurden auch 21 Objekte in der Sammlung des Museums der Kulturen untersucht. Das Archiv, Karteikarten und Inventarbücher führten unter anderem zum Sammler und Händler William Webster und zur Antwort, dass 16 dieser «Benin Bronzen» aus dem Königreich Benin unrechtmässig entwendet worden waren. Somit wurde auch die Schweiz Teil eines kolonialen Geflechts.
Die Recherche der Forscher*innen zur Taironasammlung, Artefakte eines präkolumbianischen Volks, führten zum Ethnologen Borys Malkin. Er sammelte im Auftrag verschiedener Museen und Institutionen. Auch wenn diese Objekte dem indigenen Volk offiziell abgekauft wurden, müssen heute die Umstände dieser Käufe genauer untersucht werden. Es stellen sich die Fragen: Sind ethische Grundsätze eingehalten worden? Warum sind die Objekte unter Decknamen transportiert worden? Waren Bestechungsgelder im Spiel? Provenienzforscher*innen überprüfen die Kaufumstände, müssen zwischen den Zeilen lesen können und, ganz wichtig, im Dialog mit anderen Forscher*innen, Institutionen, den Herkunftsländern, Experten vor Ort und den Nachfahren von indigenen Völkern sein, von denen die Zeugnisse ursprünglich stammen.
Vertreter der Kággaba, ein indigenes Volk aus Kolumbien, untersuchten im Januar 2025 Artefakte aus dem Taironabestand am MKB. Derzeit wird diskutiert, ob 31 Objekte, die die Delegation ausgewählt hat, ihre Heimreise nach Kolumbien antreten. Auch im Falle der «Benin-Bronzen» wurde mit den Nigerianischen Partner*innen, die Möglichkeit eines Eigentumstransfers vereinbart.Transparenz zu schaffen und zu kommunizieren ist dem Forschungsteam vom MKB ein grosses Anliegen. Das Museum bietet mit seinen Ausstellungen und Vermittlungsangeboten tolle Möglichkeiten, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen und Fragen zu stellen.




Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.