
Während sich die jetzigen dritten Klassen mit den Anmeldungen Ihrer Maturarbeiten und der Suche nach Betreuungspersonen beschäftigen, haben Alea, Lionel und Tiziano die Abgabe bereits hinter sich. Dennoch beschäftigen Sie sich zurzeit erneut mit dem Feinschliff und der Überarbeitung Ihrer Texte, denn sie nehmen am Nationalen Wettbewerb teil. (Text und Bilder: Joe Gees)
Die Stiftung SCHWEIZER JUGEND FORSCHT ermöglicht Schüler:innen aus Mittel- und Berufsschulen, ihre wissenschaftlichen Arbeiten oder Projekte der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Am Gymnasium Muttenz wurden in diesem Jahr drei Maturand:innen zur Coachingphase zugelassen. Was das genau bedeutet und mit was für Themen sich Lionel, Alea und Tiziano in den letzten Monaten beschäftigt haben, versucht dieser kurze Bericht zu beleuchten.
Um was geht es in Ihrer Maturarbeit?
LIONEL: In meiner Arbeit untersuche ich die Mechanismen von Filterblasen und politischem Microtargeting. Konkret geht es darum, wie Algorithmen auf Social-Media-Plattformen wie Instagram auf spezifische Interessensprofile (Personas) reagieren und Informationen in Form von Beiträgen so filtern, dass wir oft nur noch mit Inhalten konfrontiert werden, die unser eigenes Weltbild bestätigen. Ich analysiere, welche Gefahren dies für die demokratische Meinungsbildung darstellt und wie präzise Werbung (Microtargeting) innerhalb dieser Filterblasen manipulativ eingesetzt werden kann.
TIZIANO: Bei meiner Maturarbeit ging es um die Entwicklung eines Gerätes, welches die Spannung meiner Finger und die Orientierung meiner Hand messen kann, und diese Daten verwendet, um ein selbstentwickeltes Videospiel zu steuern. Das Gerät ist ein Prototyp und wurde mit Hilfe eines „Arduino-Boards“ entwickelt. Die Spannung der Finger wurde mit so genannten „flex Sensors“ gemessen und die Orientierung der Hand mit einem Gyroskop. Das Spiel wurde mit „Unity“ entwickelt und alle Gegenstände des Spiels, sowie auch die Musik wurden von mir selbst erschaffen. Das Spiel geht darum, mag wohl unseriös klingen, dass ein Biber bei jedem Level ein Stück Holz erlangen will, dennoch ist sein Pfad gesperrt. Als Spieler muss man mit den Fingern und Handorientierung alle Hindernisse aus dem Weg bewegen, sodass der Pfad frei wird.
ALEA: In meiner Maturaarbeit beschäftige ich mich mit bakteriellen Nanospritzen, dem sogenannten Type VI Secretion System (T6SS). Dabei handelt es sich um eine Art molekulare Injektionsmaschine, mit welchen Bakterien andere Zellen angreifen oder sogar Menschen infizieren. Meine Studie, durchgeführt am Biozentrum Basel unter Prof. Dr. Marek Basler, hat die Mantelproteine dieser Spritze untersucht. Dabei konnte ich Aminosäuren identifizieren, welche möglicherweise essenziell für die Funktion vom T6SS sind. Die Forschung an solchen Systemen ist wichtig, da sie in der Zukunft zur Entwicklung neuer Antibiotika oder Impfmethoden führen könnte.
Wie wurden Sie auf „Schweizer Jugend forscht“ aufmerksam?
TIZANO: Alea hat mich aufmerksam gemacht, daraufhin habe ich mich selbst beworben.
LIONEL: Aufmerksam wurde ich auf den Wettbewerb von SJF [Schweizer Jugend forscht] durch eigene Recherche. Ich hatte relativ früh das Gefühl, dass meine Arbeit von besonderer Relevanz sein könnte und deshalb für einen solchen Wettbewerb prädestiniert ist. Ich habe mich also auf eigene Faust angemeldet und im Anschluss meine Betreuungspersonen darüber informiert. Zudem hat mich auch meine Klassenkollegin Alea auf den Wettbewerb aufmerksam gemacht.
ALEA: Meine Betreuungsperson Cheryl Gysel hat mich zuerst auf „Schweizer Jugend Forscht“ aufmerksam gemacht, und mir empfohlen, daran teilzunehmen. Schlussendlich habe ich mich jedoch selbst für den Wettbewerb angemeldet.
Wie geht es nun weiter? Wie läuft das Coaching ab?
LIONEL: Nach der erfolgreichen Vorselektion befinde ich mich nun in der Coachingphase. Dabei bekomme ich einen Experten (in meinem Fall Herr Dr. Jonathan Klüser von der Universität Zürich) aus dem entsprechenden Fachbereich zur Seite gestellt. Gemeinsam gehen wir meine Arbeit noch einmal im Detail durch: Wir schärfen die Methodik, prüfen die wissenschaftliche Genauigkeit und bereiten die finale Version für den Nationalen Wettbewerb vor. Es ist eine Art „Feinschliff“ unter professioneller Anleitung.
ALEA: Nach erfolgreicher Selektion im Halbfinale habe ich mich für die Coachingphase qualifiziert, wobei mir der Experte Dr. Enea Maffei zugewiesen wurde. Dieser kennt sich in meinem Fachgebiet aus konnte mir in einem konstruktiven Fachgespräch sehr wertvolles Feedback zu meiner Arbeit geben. Für mich bedeutet das nun, dass ich gewisse Abschnitte meiner Arbeit überarbeite; unter anderem soll ich eine Graphik zur Veranschaulichung meiner experimentellen Methoden ergänzen. Diese Anpassungen muss ich bis Ende März einreichen, um mich für das Finale zu qualifizieren. Obwohl wir offiziell noch nicht im Finale stehen, wurde uns empfohlen, bereits mit der Planung unseres Posters sowie der Struktur unseres Videos zu beginnen, welches im Falle einer Zulassung ins Finale auf YouTube veröffentlicht wird. Diese Unterlagen müssen wir, vorausgesetzt wir werden zugelassen, bis Mitte April einreichen.
TIZIANO: In der Coaching-Phase muss ich ein drastisches Update für mein Gerät durchführen. Im Moment sieht es wie ein richtiger Kabelsalat aus. Die Aufgabe ist, mit Hilfe der Entwicklung eines PCB‘s (ein selbstentwickeltes Board in dem die Kabelverbindungen intern verlaufen) das Gerät kompakter und effizienter zu machen. Dazu muss ich natürlich meine ganze Dokumentation erweitern und eine Kurzfassung der Arbeit entwerfen. In den Endstadien muss ich noch ein Plakat und ein Video für mein Projekt entwickeln.
Ob es am Ende für das Finale reicht, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Unabhängig vom Wettbewerb haben Lionel, Alea und Tiziano jedoch bereits jetzt bewiesen, wie viel Potenzial, Ausdauer und wissenschaftliche Neugier in den Maturarbeiten am Gymnasium Muttenz steckt. Ihre Projekte zeigen eindrücklich, dass diese weit mehr sein können als eine schulische Pflichtaufgabe: Sie bieten die Chance, sich vertieft mit gesellschaftlich relevanten oder hochaktuellen Forschungsthemen auseinanderzusetzen – und damit vielleicht sogar einen Beitrag zur Wissenschaft zu leisten. Wer also gerade mit der Themeneingrenzung beschäftigt ist, kann sich von diesen Beispielen inspirieren lassen. Mit Engagement, Eigeninitiative und einer guten Idee kann eine Maturarbeit Türen öffnen, vielleicht sogar bis an den Nationalen Wettbewerb von Schweizer Jugend forscht.
F&A zu Schweizer Jugend forscht
Können auch Fachmaturarbeiten eingereicht werden?
Ja, es können auch Arbeiten von FMS-Schüler:innen eingereicht werden!
Können auch gestalterische oder historische Arbeiten eingereicht werden?
Ja, die Stiftung weist explizit darauf hin, dass Arbeiten aus allen Fachrichtungen willkommen sind.
Wie meldet man sich bei Schweizer Jugend forscht an?
Schüler:innen können sich selbstständig anmelden oder werden über Ihre Betreuungsperson darauf aufmerksam gemacht. Die Anmeldung erfolgt über die Website.
Was kann man beim Nationalen Wettbewerb gewinnen?
Bereits die Teilnahme am Finale zahlt sich aus, denn jede dieser Auszeichnungen ist mit einem Preisgeld von 750, 1000 oder 1500 Franken verbunden. Zusätzlich werden besonders herausragende Arbeiten mit Sonderpreisen geehrt. Diese eröffnen den Jugendlichen aussergewöhnliche Möglichkeiten, weitere wissenschaftliche Erfahrungen zu sammeln – beispielsweise durch die Teilnahme an internationalen Wettbewerben, Wissenschaftsforen, Ausstellungen, Science Camps, Fachtagungen oder Praktika im In- und Ausland
Gibt es auch noch andere Wettbewerbe, bei denen ich meine Arbeit einreichen kann?
Ja, es gibt zahlreiche Wettbewerbe in der Schweiz, zum Beispiel von der Stiftung für Demokratie, das Paul Schrer Institut oder die Swiss Academy of Sciences.


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