Der Gym Chor Muttenz hat einmal mehr seine Qualität bewiesen

Am 23. März war der Gym Chor Muttenz mit Mozarts «Requiem» meisterlich im Basler Stadtcasino zu hören – ein Genuss. Es war eine aussergewöhnliche Besetzung. Denn der grosse Chor, der am Montagabend der Vorwoche den Saal des Stadtcasinos mit seinen Stimmen füllte, bestand aus 80 aktiven Sängerinnen und Sängern sowie 80 ehemaligen. Zusammen mit dem Jungen Kammerorchester Baselland entfalteten sie eine Dichte und Intensität, die mitriss und begeisterte. Bevor der Gym Chor mit dem «Requiem» von Wolfgang Amadeus Mozart eine Stunde beste Kost für die Ohren bot, eröffnete das Orchester das Konzert mit Johannes Brahms «Tragischer Ouvertüre» von 1880. Unter der Leitung von Mirjam Hanauer (erste Geige) und Pascal Nippel (Querflöte) wurde dem Publikum eines von Brahms eindringlichsten orchestralen Werken geboten. «Die ‹Tragische Ouvertüre› endet ohne Trost und Auflösung», stand im Programmheft. «Sie lässt Fragen offen und wirkt gerade deshalb so stark.» Einem kleinen Jungen waren die 15 Minuten zu lang und er quengelte: «Wann singen die endlich?»

Moderner Charakter

Als die Ouvertüre verklungen war, übernahm Christoph Huldi die Leitung. Wie eine Welle rollte der Gesang heran und überspülte das Stadtcasino. «Ewige Ruhe gib ihnen, Herr, und ewiges Licht leuchte ihnen. Dir, Gott, gebührt Lobgesang in Zion und dir soll das Gelübde erfüllt werden in Jerusalem. Erhöre mein Gebet. Zu dir wird kommen alles Fleisch», sang der Chor auf Lateinisch mit Leidenschaft und Hingabe und das Orchester trug das seine dazu bei. Obwohl der liturgische Text für Begräbnisfeiern und Totengedenken Grundlage des «Requiems» ist, waren Musik und Gesang voller Kraft, Dynamik und Dramatik, teilweise schon fast modern. Nur wenn die Solisten Gunta Smirnova (Sopran), Florencia Menconi (Alt), Luca Gotti (Tenor) und Jonas Jud (Bass) sangen, kam ein Gefühl für 1791 auf. Insgesamt war das «Requiem» (in der Fassung Beyer) eine positive Überraschung, die wieder einmal zeigte, dass klassische Musik weder verstaubt noch antiquiert ist, sondern bestens zu 2026 passt.

Emotionen spürbar machen

Nach minutenlangem Applaus und Standing-Ovations kam Jürg Siegrist vom Leitungsteam auf die Bühne. «Wir haben sehr lange überlegt, ob man mit Worten hier anknüpfen kann», sagte er. Huldi habe die Idee gehabt, dieses Projekt zusammen mit Ehemaligen auf die Beine zu stellen. «Es war für mich die letzten Wochen berührend zu sehen, wie aktive und ehemalige Schülerinnen und Schüler im Orchester mitspielen, bei den Solisten dabei sind [Gotti] und im Chor mitmachen. Das ist für uns eine riesengrosse Freude.»

Eine der Ehemaligen ist Madlen Surbeck, heute 31 Jahre alt, Ärztin für innere Medizin und Mutter. «Das Konzert war in meinen Augen ein voller Erfolg. Trotz der grossen Besetzung wurde eine hervorragende Klangbalance gefunden», freute sie sich. «Es war ein perfekt organisiertes Mehrgenerationenprojekt, das schöner und nostalgischer nicht hätte sein können.» Mitgemacht habe sie, weil sie einerseits Zeit hatte, andererseits, weil sie die Werkwahl sehr ansprechend fand. Und über ihre Motivation zu singen sagte sie: «Was mich am Singen zutiefst begeistert, ist die Fähigkeit der Musik, Emotionen dort spürbar zu machen, wo die Sprache an ihre Grenzen stösst.»

Auch Leiter Christoph Huldi war sehr angetan: «Ein wunderbares Erlebnis!» Er freute sich über die gegenseitige Vertrautheit mit den Ehemaligen und die Qualität des «Requiems»: «Mozarts Musik ist so stark, und es ist eine unendliche Freude, daran zu arbeiten, mittendrin zu stehen und zu gestalten!» Der grosse Aufwand habe sich gelohnt, meinte Huldi. «Das Konzert ist toll herausgekommen. Im Vergleich zu den Proben konnten wir nochmals zulegen. Wir zeigten keine Schwächen, es gab eine grosse Präsenz und eine emotionale Dichte.»

Dem lässt sich aus Publikumssicht nur zustimmen. Noch lange klang der Gesang nach, einmal unmittelbar, nachdem der Chor geendet hatte, aber auch später noch auf dem Heimweg. Eine wunderbare Einstimmung auf das Osterfest mit dem Auferstehungsgedanken. Und eine überzeugende Demonstration der einenden Kraft der Kunst.

Kommentare sind geschlossen.

Nach oben ↑