Wie retten wir unseren Planeten?

von Caroline Löw und Lucas Linder

Keine Frage, die Klimaerwärmung ist längst eine Realität und die Prognosen der Fachleute zur sozioökonomischen Entwicklung der Menschheit sind eher düster. Arbeitsplätze verschwinden im Zuge einer voranschreitenden Automatisierung und Digitalisierung aller Lebensbereiche. Verschärft durch den demografischen Wandel sind Lücken in der Sozial- und Altersversorgung unvermeidbar. Die stetig wachsende Weltbevölkerung und die steigenden Konsumwünsche lassen Refugien der Natur, Rohstoffe, Menschenrechte und Zeit zur Mangelware werden. Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst und daraus resultieren soziale und pseudoreligiöse Konflikte auf allen Kontinenten.

Wie also, so lautet die zentrale Frage, sichern wir kommenden Generationen eine lebenswerte Zukunft? Die Erkenntnis, dass die anstehenden Probleme nur durch vernetztes Denken begriffen und gelöst werden können, ist nicht neu. Schon in den 1960er und 70er-Jahren hat die Naturwissenschaftlerin Rachel Carson in „The Silent Spring“ die vielfältigen Folgen des Pestizideinsatzes auf Mensch und Umwelt aufgedeckt und die Mitglieder des Club of Rome haben auf die Grenzen des Wachstums hingewiesen. Anlässlich der ersten internationalen Umweltkonferenz von Rio 1992 erfuhr der Begriff „Nachhaltigkeit“ des Waldwirtschaftsexperten Hans Carl von Carlowitz eine Renaissance. Seither geistert dieser Hochglanzbegriff durch alle Regierungserklärungen, Geschäftsberichte und Werbeprospekte, leider aber im Stile eines Online-Shops: Jeder nimmt, was ihm beliebt, und dies zum halben Preis – ich bin doch nicht blöd!

Dass die anstehenden Probleme nur unter Berücksichtigung ihrer ökologischen, sozialen und ökonomischen Ursachen und Wirkungen gelöst werden können, hat sich in Fachkreisen längst durchgesetzt. Nur, wie steht es um die Realisierung der Nachhaltigkeit? Hier scheiden sich die Geister. Steht ein wirtschaftliches Wachstum im Widerspruch zu den stagnierenden Ökosystemen? Sind die heute bekannten und eingesetzten Technologien einfach nur zu wenig effizient?

Albert Einstein hatte in seiner Analyse zur Weltwirtschaftskrise von 1929 festgestellt: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ So gesehen ist eine Effizienzstrategie eher ein Feilen an der möglicherweise falschen Denkweise als ein Lösungsansatz.

Am Anfang sollte also die Frage nach dem WAS stehen: Was muss getan werden, um das Ziel der Nachhaltigkeit zu erreichen? Das Richtige dann richtig – effizient – umzusetzen, die Frage nach dem WIE, kommt erst an zweiter Stelle.

Hier tritt der Rebound-Effekt ins Rampenlicht. Er beruht auf Beobachtungen des englischen Ökonomen und Philosophen William Stanley Jevons im Zeitalter der Industrialisierung. Der technische Fortschritt erlaubte zwar eine effizientere Nutzung eines Rohstoffes, führte aber letztlich zu einer erhöhten Nutzung dieses Rohstoffes.

Zur Senkung des Ressourcenverbrauchs sind bereits einige Massnahmen auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene im Gang. Denken wir doch dabei an die Energiestrategie 2050 des Bundes oder auch an die Ziele einer 2000-Watt-Gesellschaft. Bei den zwei genannten Massnahmen liegt der Fokus auf der Energieeffizienz. Doch genügt Energieeffizienz? Was folgt nach der Energiestrategie 2050 oder nach der Erreichung der 2000-Watt-Gesellschaft? Sind dann alle Zukunftsprobleme gelöst?

Sollten wir nicht auch eine andere, neue Denkweise einschlagen im Sinne von Albert Einstein? Beispielsweise neue Formen der Anschaffung und Nutzung von Gütern und Dienstleistungen? In diese Richtung weist die Suffizienz. Nach Linz (2012) zielt die Suffizienz auf eine Verringerung der Nachfrage nach ressourcenintensiven Gütern und Dienstleistungen und einen sparsamen Umgang mit Ressourcen. Dies bedeutet konkret, dass wir nicht nur sparsamer mit den Ressourcen umgehen, sondern auch mehr teilen, tauschen, reparieren und selber machen.

Daher sollten wir gleichzeitig über eine Suffizienzstrategie nachdenken. Sie gilt mittlerweile als unentbehrlich, um unseren Ressourcenverbrauch zu senken, und meint nicht ein Zurück in die Steinzeit, sondern ein Vorwärts von einer Wohlstands- in eine Wohlfahrtsgesellschaft. Bereits der römische Philosoph Lucius Annaeus Seneca (um ca. 50 n. Chr.) beschrieb Glück und Zufriedenheit mit folgenden Worten: „Nie ist zu wenig, was genügt“.