Beim Ankommen helfen

von Timo Kröner (Text) und Daniel Nussbaumer (Fotos)

„Wir wollen den Schülern primär aus Interesse an der Person helfen, nicht aus Interesse an der Leistung.“ So formuliert Biologie-Lehrer Beat Ardüser das Hauptmotiv seiner Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern. Oft habe er erlebt, dass neu eintretende Schüler und auch ihre Eltern unsicher sind, wie sie durch die FMS und danach zu einem Beruf kommen. Aus dieser Not heraus sei die Idee entstanden, die Schüler der ersten Klasse intensiver zu begleiten, damit sie sich in ihrer Entscheidung für ein Berufsfeld sicher sein können.

Beat Ardüser hat mit Lucas Linder und Jürg Siegrist zusammen ein Projekt ins Leben gerufen, um individuelles Coaching an der FMS zu etablieren. Die Grundpfeiler dieses Projektes sind denkbar einfach: Es finden in der ersten Klasse Beratungen statt, der Stärken-Workshop schon am ersten Schultag und Coaching-Gespräche mit den Schülern im ersten Semester. Der Klassenlehrer wird dabei von einer Co-Klassenlehrperson unterstützt. Das Klassenlager vor den Herbst- anstatt vor den Sommerferien stärkt den Zusammenhalt in der Klasse und die Beziehung zwischen Klassenlehrperson und Schülern frühzeitig.

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Beat Ardüser

Schon die ersten beiden Schultage, die die Klassenlehrpersonen mit den Klassen verbringen, dienen dazu, gut anzukommen. „Das Coaching fängt zu einem Zeitpunkt an, da Noten noch gar keine Rolle spielen.“ Unter dieser Voraussetzung können die Klassenlehrpersonen in den Coaching-Gesprächen bei der Orientierung helfen. Diese können auch allgemein der Laufbahn- und Lernberatung dienen, wenn dabei andere Themen zur Sprache kommen. Alle drei sind Klassenlehrer einer dritten FMS-Klasse und haben das Coaching-Konzept schon mit zwei Klassen durchgespielt. Man merkt ihren Gesichtern an, als wie bereichernd sie es erleben.

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Lucas Linder

Das frühe Klassenlager und die Gespräche verbessern die pädagogische Beziehung zu den Jugendlichen deutlich, was sich allein am Sprachgebrauch zeigt: „Es geht mehr um den Menschen“, „an Stärken orientieren“, „Beraten durch Nähe“ oder „Interesse an der Person, nicht an der Leistung“. Dank dieser Haltung treten weniger disziplinarische Probleme auf oder sie lassen sich leichter lösen. Zudem laufen die Elterngespräche zielorientierter ab. Die Bildungsreise lässt sich leichter planen, da Klasse und Klassenlehrer gut eingespielt sind.

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Jürg Siegrist

Für Lucas Linder ist das Coaching ein „gigantischer Gewinn“. Er arbeite sehr gerne im engen Austausch mit Kollegen. Zusammen mit den Schülern habe er neue Gesprächsformen kennen lernen dürfen, bei denen die Schüler Inhalt und Ziele mitbestimmen. Insgesamt erhöhe diese Verbindung von fachlichem und pädagogischem Wirken seine Zufriedenheit im Beruf ungemein. Jürg Siegrist sieht in den Gesprächen eine Stärkung der individuellen Bindung zu den Schülern. Für ihn ist das Coaching eine Möglichkeit, aus dem teilweise hektischen Schulalltag auszubrechen und sich Zeit zu nehmen, gemeinsam mit dem einzelnen Schüler oder der einzelnen Schülerin grundsätzliche Fragen zur Ausbildung und zum Ausbildungsweg zu besprechen. Beat Ardüser betont, dass ihn vor allem die Arbeit an einer sich am Potential orientierenden Beziehung zu den Schülern motiviert. Diese Begeisterung für die Arbeit und die Wertschätzung für die Schüler schwingen in jedem Satz der drei Klassenlehrer mit.

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