Alles dreht sich im Kreis

von Reto Schwander (Foto: Stefan Haltinner)

Manchmal erscheint ein Tag viel zu kurz und dann scheint er wieder kein Ende nehmen zu wollen. Tatsächlich ist es so, dass die Tage nicht alle gleich lang sind. Die Schwankung beträgt bis zu 30 Sekunden pro Tag. Als Tag wird die Zeit bezeichnet, die die Erde braucht, um sich einmal um die eigene Achse zu drehen und bis die Sonne wieder exakt am gleichen Ort steht wie am Tag zuvor. Als Beobachter hat man sich dazu auf einer Kreisbahn bewegt. Da die Bahn der Erde um die Sonne aber nicht exakt einem Kreis gleicht, bewegt sich die Erde nach den Gesetzen von Kepler auch nicht gleich schnell um die Sonne. Dies führt zur Abweichung der Tageslänge von unseren bekannten 24 Stunden.

Auch auf unsere Jahreszeiten hat diese langsamere und schnellere Bewegung einen messbaren Effekt. Der Sommer, gemessen von Frühlings- bis Herbstbeginn auf der Nordhalbkugel, dauert ganze 4 Tage länger als der Winter. Insgesamt braucht die Erde 365.25 Tage, um einmal um die Sonne zu kreisen, was einem Jahr entspricht. Betrachtet man Merkur, den innersten Planeten des Sonnensystems, so dauert ein Merkurjahr rund 88 Tage. Man wäre also dauernd im Weihnachtsstress, würde man auf dem Merkur leben.

Dass es aber noch schneller geht, zeigt ein 2016 entdeckter Planet. Dieser umkreist seinen Heimatstern in rund 46 Minuten. Er ist sozusagen der Usain Bolt unter den Planeten. Wie lange Planeten brauchen, um einen Stern zu umkreisen, hängt mit ihrem Abstand zum Stern selbst zusammen. Dies hat ebenfalls Kepler in einem seiner Gesetze festgehalten. So erstaunt es nicht, dass der äusserste Planet in unserem Sonnensystem, Neptun, rund 165 Jahre für eine Umrundung der Sonne benötig. Der Spitzenreiter unter den Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems bringt es gar auf etwa 2000 Jahre.

Als würde die Bewegung der Erde im Kreis um die Sonne nicht schon genügen, bewegt sich die Sonne zusätzlich im Kreis um das Zentrum unserer Milchstrasse. Nach rund 225 Millionen Jahren ist eine vollständige Umrundung geschafft und man spricht von einem galaktischen Jahr. So gerechnet ist unsere Sonne soeben 20 galaktische Jahre alt geworden, wovon der moderne Mensch gerade einmal 0.001 galaktische Jahre miterlebt hat.

In Anbetracht dieser schier unvorstellbaren Zeiten sind die Variationen der Tageslänge von rund 30 Sekunden kaum von Bedeutung und wir können beruhigt die Bewegung des Sekundenzeigers unserer präzisen Uhren beobachten und zusehen, wie sich dieser in einem Tag 86400 mal im Kreis dreht.