Roxie rocks Roxy

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The name on everybody’s lips is gonna be: Roxie
she’s gonna be a celebrity,
They’re gonna recognize her eyes, her hair, her teeth, her boobs, her nose.

Von Céline Acklin und Larissa Hofer (Klasse 2MS), Fotos: Nu

Mordfälle, Intrigen, Tanz, Jazz und das Ganze in knappen Outfits. Das alles bekam man im Musical Roxie zusehen. Schüler und Schülerinnen aus dem Gymnasium Muttenz haben mit viel Freude und Engagement dem Musical Chicago neues Leben eingehaucht.

Ladies and gentlemen, the Onyx club is proud to present Chicago’s hottest show in the world.

Wir befinden uns in den Roaring Twenties in der Jazz-Metropole Chicago. Alles dreht sich um die junge Tänzerin Roxie Hart.

Roxie ist eine junge schöne, aber auch naive Frau, die viel Aufmerksamkeit braucht. Sie ist die Mörderin ihres Liebhabers Fred Casely, den sie im Affekt erschossen hat. Der einzige Zeuge ist Roxies Ehemann Amos. Er ist ein schüchterner und liebenswerter Gatte, der jedoch von niemanden richtig beachtet wird.  Er deckt sie bei der ersten Befragung bei der Polizei, bis er von der Affäre Wind bekommt. Die Tänzerin muss ins Gefängnis in Untersuchungshaft. Dort trifft sie auf die korrupte Matron Morton, die unter dem Namen Mama bekannt ist. Sie ist eine taffe Gefängniswärterin, die sich um die Insassinnen kümmert. Natürlich nicht umsonst. Mama erklärt der noch unwissenden Roxie das Leben und die Regeln im Gefängnis. Durch einen Zufall teilt sich die junge Frau ihre Zelle mit einer nicht unbekannten Mörderin: die Tänzerin und Sängerin Velma Kelly.20180301-4585

Velma ist eine selbstbewusste und taffe Frau, die genauso wie Roxie die Aufmerksamkeit begehrt und dafür um jeden Preis auffallen will. Sie wurde durch Geschick und die helfende Hand von Mama zu einem Medienstar. Davon erhofft sie sich die Freilassung.

Roxie sieht Velma als Idol an und möchte sich ihr annähern, was jedoch von Velma abgeblockt wird. Mama gibt Roxie den Rat, sich Hilfe beim Anwalt Billy Flynn zu holen, der sich auch um den Fall Velma kümmert. Flynn ist ein prominenter, extrem erfolgreicher und bis jetzt ungeschlagener Anwalt. Das Geld für die hohe Gage des Anwalts erbettelt sich Roxie bei ihrem Ehemann Amos, der immer noch zu ihr hält. Roxie nutzt ihn jedoch nur für ihre Zwecke aus. Ihr Fall weckt das Interesse der Journalisten, wodurch sie viel Publicity bekommt. Sie schafft es sogar in die Zeitung mit einem Artikel mit der Überschrift Roxie rocks Chicago. In diesem Artikel werden neue Versionen der Wahrheit verbreitet. So hofft Roxie dem Gefängnis entfliehen zu können.

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In der Zwischenzeit ist Velma erzürnt darüber, dass ihr Roxie die Show stiehlt. Die Medien reissen sich nicht mehr um sie und auch Anwalt Flynn wendet sich nach und nach von ihr ab. Velma versucht daraufhin Roxie zu überreden mit ihr zusammenzuarbeiten, indem sie Roxie eine Rolle in ihrer neuen Tanzshow anbietet. Doch Roxie durchschaut die wahren Absichten ihrer Zellgenossin und lehnt ihr Angebot ab.

Roxies Ruhm hat noch nicht ihren Höhepunkt erreicht und mit immer dreisteren Lügen, wie zum Beispiel dass sie schwanger sei, nimmt die Aufmerksamkeit um ihre Person kein Ende. Velma hat unterdessen die Hoffnung noch nicht aufgegeben und bereitet sich mit Mama auf den Prozess vor. Doch Billy lässt Velma hängen und widmet sich nur noch Roxie. Mit Lügen und Heuchlerei schafft es Roxie, den Prozess für sich zu entscheiden. Danach verblasst ihr Ruhm so plötzlich, wie er kam. Andere Fälle erlangen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, somit rückt Roxie in den Hintergrund.

Schlussendlich nimmt Roxie Velmas Angebot doch noch an und die beiden werden zusammen mit ihrer Show erfolgreiche Jazzsängerinnen.

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So weit der Plot des Musicals. Doch wie konnte ein Truppe von Schülerinnen und Schülern sowas auf die Bühne bringen? Als der Wahlkursteilnehmer für ein Showprojekt das erste Mal das Musicalskript in den Händen hielten, sahen sie sich schon selber auf der Bühne. So kam die ganze Sache ins Rollen.

All dies begann mit der Ausschreibung eines Wahlkurses an die Viertklässler des Gymnasiums Muttenz. Der „Musical Theatre Course“ richtete sich an alle, die sich gerne an einem Showprojekt beteiligen wollten. So starteten die 14 Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Klassen im Sommer 2017 diesen Wahlkurs. Drei Lektionen pro Woche tanzten, sangen und spielten sie, um am Ende ihr hart erkämpftes Musical aufführen zu können. Aber neben dem Singen und Tanzen war auch das Englisch eine zentrale Herausforderung. Denn das ganze Stück sollte auf Englisch aufgeführt werden, die Songs und die Redetexte. So lernten die Darstellerinnen und Darsteller fleissig ihre ganzen Texte auf Englisch. Die Unterrichtsstunden wurden in beiden Sprachen unterrichtet. Für die Sprache war die Regisseurin und Englischlehrerin Karolina Kowalska zuständig. Und ihr gelang es wunderbar, dass alle in einem guten, flüssigen Englisch sprachen. Die Schüler mussten nicht nur flüssig sprechen können, sondern auch die Bühnensprache beherrschen, welche auch auf Deutsch nicht so einfach ist.

Jeder einzelne Schüler trug einen wichtigen Teil zum Ganzen bei. Es mussten Kostüme, Requisiten und Choreographien her. Die Gestaltung des Programmhefts, das Arrangieren und Transponieren der Noten für die Band, der interne Vorverkauf und die Werbung mussten organisiert werden. Unter der Leitung von Christoph Huldi hat der Kurs ein wunderbares Musical auf die Beine gestellt.20180301-4824

Ebenfalls gebührt der Band ein grosses Lob. Die Band schloss sich nur für das Musical zusammen. Die Freiwilligen, meist Schüler und Lehrer des Gymnasiums Muttenz, leisteten einen hervorragenden Job. Unter der Leitung von Franziska Baumgartner unterstrichen sie den Gesang und die einzelnen Charaktere sehr gut.

Gespielt wurde im Roxy in Birsfelden, einem kleinen, aber feinen Musicaltheater. Die Publikumsplätze sind auf eine gemütliche familiäre Atmosphäre reduziert.

Jeder versucht einen guten Platz zu erhaschen, um eine gute Sicht auf das Geschehen zu haben. Abrupt erlischt das Licht und das Stimmengewirr, als die Schauspieler/innen und Musiker/innen die Bühne betreten. Ein einziger Lichtstrahl erleuchtet die Bühne. Von jetzt an geht alles sehr schnell.  Das Musikensemble fängt an zu spielen. Eine einzige klare Stimme unterstreicht die jazzigen Klänge und eine Gruppe Frauen kommt tanzend auf die Bühne. Sie tragen knappe Outfits und einen verruchten Gesichtsausdruck. Die Kostüme und die Musik versetzen einen sofort in die 20er-Jahre.  Ihre Körper bewegen sich zum Takt der Musik. Ihre Präsenz erfüllt die sonst karge Bühne. Sie tanzen so synchron, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Dazu singen sie das Lied All that Jazz.20180301-4690

Dann der erste Auftritt der Roxie Hart, die mit Shanti Albiez eine technisch starke und schöne Stimme besitzt.  Im rosa Negligé, in Netzstrümpfen und einer roten Kurzhaarfrisur geht sie in ihrer Rolle auf. Roxies Ehemann Amos, gespielt von Kai Alexander Jurt, bringt die Zuschauer mit seiner schusseligen, schüchternen, aber doch liebenswerten Art zum Schmunzeln. Die Rolle der Heidi (Céline Moser), die mit ihrem Schweizerdeutsch urkomisch ist, lockert das Stück nochmals auf. Ein weiterer Höhepunkt ist der zweite Auftritt der Frauengruppe.

20180301-4619Die Bühne ist in rotes Licht getaucht. In neuen gewagten Kostümen und zu Tango-Rhythmus singen die inhaftierten Showgirls von ihren Missetaten. Alle haben sie ihre Liebhaber oder Ehemänner umgebracht. Aber wer kann es ihnen übelnehmen? Waren das doch alles Lügner und Betrüger. Auch wenn die Requisite nur aus Stühlen besteht, kommt die Nummer grossartig heraus.

20180301-4657Der Striptease des frauenumschwärmten Anwaltes Billy Flynn (Mauro Berther) ist eine gelungene Überraschung und zugleich bringt er die Zuschauer ein wenig in Verlegenheit. Immer wieder kommen Sprechteile vor, die schauspieltechnisch erste Klasse sind. Es kommt nie Langeweile auf. Die beiden Hauptrollen teilten sich je zwei Schülerinnen. So schlüpfte kurz vor Ende des ersten Aktes Catja Käser in Perücke und Négligé der Roxie und Silvia Plüss löste Fiona Fischer als Velma ab. Mama blieb Mama und somit Kim Seger. In weiteren, auch gar in mehreren Rollen pro Person, glänzten Simona Breu, Clara Haverbeck, Mirjam Rietmann, Melanie Adler, Nathalie Guthauser und Nadja Lukas.

Es stellt eine grosse Herausforderung dar, ohne viel Equipment und meistens alleine eine ganze Bühne zu füllen. Nicht zu vergessen, den Mut zu haben, solch ein provokantes Stück überhaupt aufzuführen. Doch die Schülerinnen und Schüler haben diese Herausforderung angenommen und mit Bravour gemeistert. Ein gebührendes Lob geht auch an das Musikensemble, das mit kleiner Besetzung doch eine solche musikalische Atmosphäre erschaffen hat. Leider sind die Bandmitglieder mit ihren schwarzen Outfits und im Halbdunkel seitlich der Bühne ein wenig unsichtbar gewesen. Zusammengefasst hat das Musical sehr gerockt und jeder ging beschwingt nach Hause.

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