Fame – we wanna play forever…

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von Céline Acklin (Fotos: Daniel Nussbaumer)

Zusammengepfercht stehen wir in der kleinen Abstellkammer im Dunkeln und hören das Getrampel auf der Tribüne über uns. Mein Puls steigt in die Höhe, die Hände sind klebrig vom Schweiss. Meine Nervosität hat ihren Höhepunkt erreicht. Dann kommt der Aufruf für die Band, die Bühne zu betreten. Vom grossen Applaus beflügelt, gleite ich auf die Bühne, als hätte ich nie etwas anderes getan. Die Lichter gehen aus und wir fangen an zu spielen.

19. März, Hauptprobe im Roxy

Es ist ein überwältigendes, aber auch seltsames Gefühl, zum ersten Mal auf der Bühne des Theaters Roxy in Birsfelden zu stehen, denn vor einem Jahr sass ich noch auf der Tribüne als Zuschauerin beim Musical „Roxie“, ebenfalls made by Gymnasium Muttenz. Ich war hellauf begeistert gewesen, als ich erfuhr, dass ich mit der Querflöte Teil der Liveband beim Musical „Fame“ sein würde. Die Geschichte spielt in den 80er-Jahren in einer Academy für talentierte Tänzer, Schauspieler und Musiker in der Metropole New York. Alle, die es an die Academy geschafft haben, verfolgen das gleiche Ziel: Sie wollen berühmt werden. Im Stück wird der Alltag der Schüler gezeigt, der manchmal sehr hart sein kann. Auch Liebe und Freundschaft sind ein grosses Thema. Heute spielen wir zum ersten Mal das ganze Musical am Stück. An einigen Stellen haperts bei mir noch und die Probe nimmt meine volle Aufmerksamkeit in Anspruch.  Während den Pausen reden die Bandmitglieder und ich angeregt über das Musical. Die tollen Kostüme, die schönen Stimmen und vor allem die echten Küsse zwischen den Schauspielern geben viel Gesprächsstoff.

21. März, Premiere im Roxy

Ich gehe gedanklich nochmal alle Stücke durch und lausche konzentriert den letzten Anweisungen von Frau Baumgartner, unserer Dirigentin. Die Schauspieler kriegen ihre Haare und ihr Makeup gemacht und schlüpfen in ihre auffälligen, knallbunten Outfits im Style der 80er. Die letzten Minuten vor dem Einlass werden genutzt um Tanzschritte zu üben, einzelne Sprechszenen zu spielen oder sich gegenseitig zu verkabeln. Auch die Band wuselt umher und nutzt die letzte Gelegenheit, um auf die Toilette zu gehen oder die letzten Chips aufzuessen. Es ist 07:00 Uhr abends. Das Roxy ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Das Stimmengewirr erstirbt. Der Scheinwerfer ist auf Nick, gespielt von Nico, gerichtet. Leise fängt er an zu singen und begeistert das Publikum mit seiner Stimme. Dann geht die Show richtig los. Die ganze Company steht auf der Bühne, bewegt sich und singt zu unserer Musik. Als ich ins Publikum spähe, sehe ich offene Münder und strahlende Gesichter. Ich werde vom Lachen der Zuschauenden angesteckt. Das nächste Stück heisst «I Want to Make Magic» und kein Titel hätte besser zu meiner aktuellen Gefühlslage gepasst. Mein Einsatz beginnt. Eine kurze Zeit lange werde ich von den sanften Tönen mitgetragen, doch bevor ich richtig in das Stück reinkomme, ist mein Part schon wieder zu Ende. Ein wenig neidisch schiele ich zu meinen Kollegen, die konzentriert und mit vollem Elan weiterspielen. Doch ich ermahne mich selber. Es ist schon eine grosse Ehre, dass ich hier überhaupt dabei sein kann. Mein Blick schweift wieder auf die Bühne. Das dritte Stück ist im Anmarsch. Doch zuerst bringt Joe, gespielt von Simon Schweizer, mit seinem machohaften Auftreten und seinen zweideutigen Witzen das Publikum zum Lachen. Nach meinem Solo habe ich eine lange Pause. Währenddessen stampfe ich den Beat bei Tyrones Rap, staune über den gewagten Salto von Naomi Hofer, verliebe mich in Carmens Stimme, gespielt von Silpa, und leide mit Serena, gespielt von Fiona Vogel, mit, die über ihren Liebeskummer singt. Lautlos singe ich die Lieder mit, die ich schon fast in- und auswendig kenne. Mit den Bandmitgliedern tausche ich immer wieder Grimassen und Lacher aus. So vergeht der erste Akt wie im Flug. Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es weiter mit dem zweiten Akt. Auch der hat viel zu bieten. Je länger ich den Schauspielern zusehe, desto beeindruckter bin ich von ihrer Leistung. Diese Atmosphäre, die sie mit ihrer Bühnenpräsenz erschaffen, ist magisch. Für mich persönlich sind einige von ihnen auf Augenhöhe mit professionellen Musicaldarstellern. Ich bekomme selber Lust, bei einem Musical mitzumachen und die Bühne zu rocken. Plötzlich schrecke ich auf. Ich erinnere mich wieder daran, dass ich immer noch auf der Bühne bin. Ein wenig panisch linse ich zu den Noten von Niels, dem Saxophonisten. Ich atme auf. Ich muss erst in ein paar Minuten wieder parat sein. Beim letzten Stück gibt die Band nochmal alles und der Auftritt endet mit einem riesigen Applaus.

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23. März, Derniere im Roxy

Schon ein wenig wehmütig gehe ich auf die Bühne, denn heute Abend ist der letzte Auftritt des Musicals. Die letzten Tage haben sich wie in einem Zeitraffer angefühlt. Die Band ist sehr stark zusammengewachsen und wir haben viel Spass, zusammen zu musizieren. Ich bin mit jedem Auftritt sicherer geworden und erwische fast jeden Einsatz. Heute will ich nochmal alles geben. Auch dieser Auftritt ist ein grosser Erfolg. Als krönender Abschluss spielt die Band auf der Bühne und tanzt wild mit der Company zusammen. Ein besseres Ende hätte es nicht geben können. Fame – we wanna play forever!

Was aber hat das Publikum gesehen? Das hier!