Im Herz der Schule

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von Dinis Figueiredo, Josia Lyrer und Enrico Nitihardjo (Fotos: Nu)

Die Eingangstür geht auf und ein Schüler tritt ein auf der Suche nach einer geeigneten Maturlektüre. 22’000 Bücher stehen zur Auswahl. Der Gymnasiast blättert das erste ausgewählte Buch durch und stellt fest, dass er weitersuchen muss. Die Nadel im Heuhaufen ist noch nicht gefunden. Genau für solche Situationen stehen ihm die Mediothekarinnen Mirjam Braun, Doris Trachsel und P. Lopez zur Seite. Der Schüler legt sein Anliegen Frau Braun vor. Daraufhin findet sie für ihn rasch eine Auswahl an potenziellen Büchern. Wieder einmal beweist die Mediothek, dass sie für die Schülerinnen und Schüler, die Lehrpersonen und natürlich auch für die übrigen Mitarbeitenden des Gymnasiums da ist. Die Mediothek ist das Herz des Gymnasiums, wo man sich für viele mögliche Zwecke trifft: sei es zum Lernen, zum Lesen, zum Entspannen, um zu recherchieren oder für die Unterrichtsvor- und -nachbereitung.

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Damit das Herz der Schule schlägt, verrichtet unser dreiköpfiges Mediothekarinnen-Team verschiedene Aufgaben. P. Lopez, das erfahrenste Mitglied des Trios, arbeitet seit über 18 Jahren in unserer Mediothek. Sie hat die Matura am Gymnasium Muttenz abgeschlossen und hat die Mediothek schon damals gekannt. Zu ihrer Zeit als Schülerin ist die Mediothek noch nicht mit Computerraum, Sofas, Sesseln und Büro ausgestattet gewesen. Nach einem abgebrochenen Studium hat sich P. Lopez für eine Lehre als Bibliothekarin in der Unibibliothek entschieden. Die Ausbildung wird heute in anderer Form angeboten. Nun, zurück in ihrer ehemaligen Schule, ist sie als Teilzeit-Mitarbeiterin in der Mediothek für die Fachbibliotheken zuständig. Die Fachbibliotheken sind zusätzliche Bücheransammlungen, welche ausschliesslich den Lehrpersonen in den Fachschaftszimmern zugänglich sind. Diese 12’000 Medien ergänzen die Bibliothek mit spezifischer Fachliteratur.

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Mirjam Braun ist seit zwei Jahren die Pulsgeberin des Herzens. Sie hat zuerst eine KV-Lehre absolviert. Nach ihrem Abschluss hat sie sich für ein einjähriges Praktikum an der GGG Stadtbibliothek Basel entschieden. Anschliessend hat sie an der Fachhochschule in Chur ein Studium für Informationswissenschaft begonnen. Ein Erasmus-Austausch hat sie an die Hochschule der Medien nach Stuttgart geführt. Da ihr der Schwerpunkt an der HdM viel mehr zusagte, schloss sie das Studium  „Bibliotheks- und Informationsmanagement“ in Stuttgart ab. Heute trägt sie die Verantwortung über Entscheidungen und neue Projekte in der Mediothek. Sie verwaltet das Budget und organisiert die Aufgabeneinteilung der Mitarbeiterinnen.

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Doris Trachsel ist seit eineinhalb Jahren die Dritte im Bunde. Sie hat im Gegensatz zu den anderen Mediothekarinnen ihre Ausbildung zur Bibliothekarin über einen berufsbegleitenden Kurs erlangt. Dieser Kurs wird von der „Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der allgemeinen öffentlichen Bibliotheken SAB“ angeboten und dauert ein halbes Jahr. Nach der Matura hat sie eine Schneiderlehre abgeschlossen und ein eigenes Atelier in Bern geführt. Inzwischen arbeitet Doris Trachsel seit fast 20 Jahren im Bibliothekswesen. Im Team ist sie verantwortlich für die DVDs und Hörbücher.

Weitere Aufgaben wie den Medieneinkauf, die Katalogisierung und Ausrüstung der Medien, teilen sich die Mediothekarinnen untereinander auf. Die Motivation für ihren Beruf finden alle drei in ihrer Affinität zu den Büchern und im Kontakt mit den Leuten am Gymnasium. Aber nicht nur das ist ausschlaggebend. Es sind auch die organisatorischen Aufgaben, welche die Mediothekarinnen gerne erledigen. Vor allem die Kreativität, die für die Gestaltung der Mediothek gebraucht wird, spielt dabei eine grosse Rolle. Das alles deutet daraufhin, dass unsere Mediothekarinnen nicht den ganzen Tag lesen und sich über Literatur unterhalten. Der Arbeitstag gestaltet sich sehr vielfältig, vom Herrichten der Mediothek am Morgen über das Bestellen, Bearbeiten und Aussondern der Medien bis zu administrativen Aufgaben, wie z.B. dem Mahnwesen. Dass Schülerinnen und Schüler ihre Medien nicht rechtzeitig zurückbringen, gehört leider zum Alltag in der Mediothek. Das führt einerseits zum Problem, dass andere Lernende auf ihre gewünschten Medien länger als nötig warten müssen, andererseits kann die Mediothek mit den Mahngebühren neue Medien finanzieren.

Nachdem unser anfangs beschriebener Gymnasiast die Lektüre überflogen hat, will er eine Dokumentation anschauen. Er hat seine Kopfhörer aber nicht dabei. Zudem geht ihm sein Handyakku aus. Das Problem ist schnell gelöst, denn bei der Theke kann er Kopfhörer und Handyladekabel ausleihen. Dem Schüler wird bewusst, wie viel ihm im Herz des Gymnasiums neben dem breiten Band an Medien geboten wird. Er kann täglich von den Arbeitstischen, den Computern und dem Drucker in der Mediothek profitieren. Der Mediothek verdankt er, dass er die Möglichkeit hat, für seine Maturaarbeit gratis auf üblicherweise kostenpflichtige Quellen wie Swissdox und Keystone zugreifen zu können. Er reibt sich den Kopf und fragt sich, wieso er erst jetzt von der Mediothek Gebrauch macht. Er ist darin kein Einzelfall. Denn viele Schüler und Schülerinnen erkennen das Potenzial der Mediothek noch nicht und nutzen das Angebot nicht vollständig.

Damit sich das nun ändert, haben die Mediothekarinnen im Dezember 2017 ein neues Mediothekskonzept erstellt. Die Lernenden werden während ihrer vier Jahre am Gymnasium Muttenz in das ganze Potenzial, welches die Mediothek anbietet, eingeführt. Drei Schulungen mit aufsteigendem Schwierigkeitsgrad vermitteln sämtliche analoge und digitale Recherche-Techniken, die heute für das Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit wichtig sind.

So haben unsere Mediothekarinnen in diesen Monaten die Drittklässler in einem Brush-up über das Recherchieren für die Maturarbeit fit gemacht. Den Spätzünder also, den der hohe Blutdruck zum ersten Mal ins Herz der Schule treibt, wenn er seine Maturlektüre zusammenstellen muss, werden wir in Zukunft in der Mediothek nicht mehr antreffen.