Politische Bildung am Gymnasium Muttenz – ein Unikat in der Bildungslandschaft 

Was junge Menschen, Politiker*innen und Lehrer*innen andernorts mit immer mehr Nachdruck fordern, ist am Gymnasium Muttenz bereits verankert: Politische Bildung als eigenständiges Unterrichtsfach. Wir unterrichten unsere Drittklässler*innen im Rahmen einer Jahreslektion in Politischer Bildung mit einem schulhausinternen Lehrplan, der auf unserer Schulhomepage für die Öffentlichkeit einsehbar ist. 

von Seraina Gartmann, Fachschaftsvorstand Geschichte und Politische Bildung; Fotos: Daniel Nussbaumer

«Wenn ich selbst den Lehrplan entwerfen würde, so würde ich weniger detailliert die Schweizer Politik betrachten, sondern mehr die Weltpolitik.» (Lena Landmann)

Es ist mir wichtig, dass in diesem Artikel auch Schüler*innen zur Sprache kommen. Deshalb werde ich Aussagen aus einer klasseninternen Evaluation meiner Geschichtsklasse 4Wb (Schwerpunkt Wirtschaft) in den Text einfliessen lassen.

«Ich gehe jetzt viel lieber abstimmen und wählen, weil ich weiss, worum es geht.» (Flavia Traub)

Im Verlauf des dritten Gymnasialjahres erreichen die meisten Schüler*innen ihre Volljährigkeit und können an Staat und Gesellschaft teilhaben, indem sie zum Beispiel bei Wahlen und Abstimmungen partizipieren.

«Ich habe den Eindruck, dass viele meiner Kolleg*innen, die nicht wie ich in PB unterrichtet worden sind, nur ein begrenztes politisches Wissen haben. Ich finde es wichtig, ein Basisverständnis von Politik, insbesondere Schweizer Politik, zu erarbeiten, um in der politischen Diskussion mitreden zu können.» (Louie P. Bruderer)

Nebst der Institutionalisierung des Faches Politische Bildung als Bestandteil des Stundenplans haben sich die Geschichtslehrer*innen, die dieses Fach unterrichten, weitergebildet; und zwar persönlich und als Fachschaft, fachlich und fachdidaktisch.

«Schulische Politische Bildung ermöglich den Aufbau Politischer Kompetenz bei Individuen», schreibt Béatrice Ziegler (Leiterin des Schwerpunkts Geschichtsdidaktik im Master of Educational Sciences Uni Basel / PH FHNW und ehemalige Leiterin des Zentrums für Demokratieforschung in Aarau). Ziel sei, die Schüler*innen politisch zur grösstmöglichen Autonomie zu führen.

 

«Das Fach PB ist absolut nötig, weil Politik sonst in keinem regulären Schulfach gross behandelt wird, obwohl ein Verständnis davon heute wichtiger ist denn je.» (Sarah Schwimbersky)

Wir möchten bei unseren Gymnasiast*innen das Verständnis für politische Prozesse und die realistische Einschätzung von eigenen politischen Handlungsoptionen und Wirkungsmöglichkeiten fördern. Lernende sollen selbst reflektieren und beurteilen können, inwiefern ihr selbstbestimmtes Leben von der Verteidigung und Weiterentwicklung der Demokratie, von der Achtung des auf menschenrechtlichen Grundlagen basierenden Rechtsstaates, von der nachhaltigen Sicherung der Lebensgrundlagen und von friedensfördernden internationalen bzw. transnationalen Beziehungen abhängt.

«Gerade meine eigene Präsentation im Fach PB über aktuelles politisches Geschehen hat dazu geführt, dass ich mich seither deutlich mehr mit Politik befasse.» (Kona Arnold)

Auch in unserer Schulkultur hat die Politische Bildung ihren festen Platz. Vor den Wahlen veranstalten wir regelmässig Podien mit Politiker*innen aus den Kantonen Basel-Landschaft und Aargau. Bei der Organisation dieser Podien legen wir besonderen Wert darauf, dass Gäste aus allen grösseren Parteien zum Zuge kommen.

«Durch die Begegnung mit «richtigen» Politikern und das Fach PB konnte ich lernen, zu welcher Partei ich politisch stehe. Das politische System der Schweiz kannte ich vorher gar nicht.» (Abarna Karunananthan)

Auch viele Exkursionen, etwa ins Europa-Parlament in Strasbourg, und kulturelle Veranstaltungen werden von uns Vertreter*innen der Fachschaft Politische Bildung organisiert und mitgestaltet, so etwa der Menschenrechtstag im vergangenen Jahr anlässlich des 70. Jahrestages der UNO-Menschenrechtserklärung, an dem die ganze Schule teilgenommen hat.

«Ich finde es wichtig, dass wir im Fach PB unterrichtet worden sind, weil ich so verstanden habe, wie ich selbst dazu beitragen kann, dass etwas verändert wird, was mich stört.» (Noemi Leuenberger)

Eine Antwort auf „Politische Bildung am Gymnasium Muttenz – ein Unikat in der Bildungslandschaft “

Kommentare sind geschlossen.