c-h-Moll: kein Erbarmen für Mozart und Bach!

Anna Talimaa

von Anna Talimaa (Foto: Nu)

Es herrscht ein Stimmengewirr, Hände werden geschüttelt und Namen ausgetauscht. Es ist früher Samstagmorgen im Foyer und einige gähnen noch zurückhaltend, aber spätestens nach dem Einsingen sind auch die müden Gesichter unter uns endlich wach. Es ist das übliche Ritual, doch diesmal mit unüblichem Zuwachs. Zwischen den Reihen von uns Gymnasiast*innen stehen nämlich Sängerinnen und Sänger des Kammerchors Notabene Basel. Es ist die erste Zusammenarbeit der beiden Chöre und sogleich auch das erste Zusammentreffen an diesem Samstag. Die Vorfreude auf die anstehenden Konzerte ist riesig, wir haben über die Wochen hinweg fleissig Flyer ausgeteilt und der Ticketverkauf ist in vollem Gange. Geplant waren zwei Auftritte, samstags in der Martinskirche Basel und sonntags in der Stadtkirche Liestal. Nebst uns Choristinnen und Choristen ist auch das Kammerorchester «I Tempi», unter der Leitung von Gevorg Gharabekyan, Teil des Projekts.

Intensive Probephase

Monatelang wurde auf allen Seiten fleissig geprobt. Der grosse Schwerpunkt und das Highlight des diesjährigen Chorlagers waren für uns Kammerchormitglieder das Erarbeiten der beiden Messen. Täglich haben wir stundenlang in Stimmproben an anspruchsvollen Koloraturen getüftelt und uns gespannt gefragt, wie diese Stellen später wohl im Tutti klingen würden. Die Hintergrundinformationen über beide Komponisten wurden uns stets in Erinnerung gerufen, denn ist man sich der Motive und der Genialität von Mozart und Bach bewusst, verleiht dies den beiden Werken noch mehr Wirkung und Dynamik. Doch wieso eigentlich c-h-Moll? Mozart hat die c-Moll-Messe aus unerklärlichen Gründen nie vollendet. Um eine Vervollständigung zu schaffen, ergänzte man die fehlenden Stellen mit Teilen von Bachs h-Moll-Messe. Gerade an intensiven Probetagen merkten wir: Je länger man sich mit der Musik befasst, desto besser kann man sie verstehen, begreifen und das Verlangte umsetzen.

Das Coronavirus kommt uns in die Quere

Knapp sechs Stunden haben wir an jenem Samstag gemeinsam geprobt und nach diesem erfolgreichen Tag waren alle zuversichtlich, dass diese beiden Konzerte ein riesiger Erfolg werden würden. Nur wenige Wochen später wäre es zur ersten Begegnung mit dem Kammerorchester, dem Dirigenten und den vier Solist*innen gekommen, doch diese Proben mit vollständiger Besetzung sollten vorerst nicht stattfinden, zu hoch seien bereits die Fallzahlen des Coronavirus in der Schweiz. Es machte sich Enttäuschung breit, doch wir alle blieben optimistisch und hofften stets, dass sich die Lage bis zu unseren Konzerten beruhigen würde. Leider war dem nicht so, denn ein Ende war zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorhersehbar, und am 13. März kam die definitive Entscheidung: Beide Konzerte werden auf nächstes Jahr verschoben. Gefühlsmässig, aber auch finanziell und organisatorisch war das ein herber Rückschlag! Doch statt den Kopf hängen zu lassen, hiess es rasch weiterplanen, umdenken und in die Zukunft schauen. Dass man die Konzerte nicht einfach streichen und das gemeinsame Projekt begraben wollte, war für Christoph Huldi, Jürg Siegrist und Gevorg Gharabekyan schnell klar, doch ein Verschiebedatum mit knapp 100 Beteiligten zu finden war ein kniffliges Unterfangen. Die Austragungsorte der beiden Konzerte mussten neu reserviert und die Finanzen abgeklärt werden, nicht zu vergessen sind natürlich auch die vollgepackten Terminkalender der Musiker*innen. Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren hat man sich schliesslich geeinigt, die Konzerte am 6./7. Februar 2021 stattfinden zu lassen. Das ist natürlich wahnsinnig schade für die jetzigen Viertklässler, die dann längst nicht mehr am Gymnasium sind, doch wir alle hoffen, dass so viele wie möglich Zeit finden werden, um an diesem Projekt nochmals teilhaben zu können. Diese Verschiebung öffnet aber wiederum anderen ein Türchen, zukünftige Kammerchorsänger*innen haben dann nämlich vielleicht die Möglichkeit, bei diesem tollen Event nächstes Jahr mit dabei zu sein.

Anmerkung: Leider mussten inzwischen aufgrund der Pandemie auch die Konzerte am 6./7. Februar abgesagt werden. Auch das geplante Verdi-Requiem kann nicht stattfinden.