Audiofiles statt gebrannte CDs? 

 

von Jürg Siegrist (Foto: Nu, Sound: Kajan Pakeerathan, Kieran Panachel und Shairo Ramachandran)

Mit dem Einzug digitaler Technologien hat das Tätigkeitsfeld «Musikproduktion» eine völlig neue Dimension erlangt. Vor wenigen Jahren wurden ähnliche Projekte an unserer Schule noch «CD-Produktion» genannt. Als ich vor etwas mehr als zwanzig Jahren mit einem selbst eingebauten CD-Brenner in meinem Computer CDs brennen konnte, kam das einer kleinen Sensation gleich. Seither haben sich die technischen Möglichkeiten in der «Musikproduktion» dank neuartiger Programme und Medien immens weiterentwickelt.

Daher haben wir vor einigen Jahren in der Fachschaft Musik unsere Ausrüstung erweitert und arbeiten mit «Digital Audio Workstations». Im Projektunterricht «Musikproduktion» erhalten die Teilnehmenden des Kurses einen aktuellen Einblick in die Welt der digitalen Musikproduktion. Dementsprechend werden die Projekte heute nicht mehr in Form von gebrannten CDs, sondern durch das Abgeben digitaler Audiofiles zum Abschluss gebracht.

In unserer Projektarbeit produzieren die Schüler*innen eigene Musik. Dafür werden Produktionsteams gegründet, die sich eine Projektaufgabe in Absprache mit den Betreuungspersonen stellen. So entstehen vielfältige Projekte. Eine Gruppe hat sich dazu entschlossen, ein eigenes Cover des Lieds «Titanium» mit mehrstimmigem Gesang und Klavier virtuell zu erstellen. Eine andere Gruppe hat auf der Gitarre ein eigenes Lied inklusive Text geschrieben, wiederum andere haben für ein eigenes Technostück neue Beats am Computer kreiert.

Die Teilnehmenden bringen ganz unterschiedliche Erfahrung mit digitalen Hilfsmitteln mit. Einzelne, eher unerfahrene Teams arbeiten sich teilweise selbstständig in die technischen Anforderungen einer «Digital Audio Workstation» (Bedienung der Programme, Mikrofonierung, Mehrspuraufnahmen, Mischung, Umgang mit Samples) ein. Andere bringen ihr Equipment, auf dem sie vorher schon jahrelang produziert haben, selber mit und können Erfahrungen in ihr Team einbringen, die dementsprechend zu ausgereifteren Resultaten führen. Wiederum andere beherrschen ein akustisches Instrument auf hohem Niveau und können somit «echte» Musik überzeugend konzipieren und diese dann digital aufnehmen und produzieren, ohne dass dabei audiotechnische Fragen im Vordergrund stehen.

Die Rolle der Lehrpersonen konzentriert sich dabei auf die fachliche Begleitung, die einen grossen Erfahrungshorizont sowohl in technischer als auch musikalischer Hinsicht voraussetzt. Dabei steht immer die Unterstützung des Entwicklungsprozesses nach den Bedürfnissen der Projektgruppen im Vordergrund. Wir versuchen jeweils, bei unseren Gesprächen Entscheidungsprozesse bewusst den Schülerinnen und Schülern zu überlassen, und agieren nur beratend. Die verschiedenen selbst gewählten Vorgehensweisen der jungen Menschen zeigen, dass im Zuge der Digitalisierung weniger Zwangsvorschriften, sondern viel mehr flexible, den individuellen Möglichkeiten, Neigungen und Fähigkeiten angepasste Konzepte angestrebt werden sollten.