„Bildigsabbau nit mit uns!“

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von Jacqueline Balosetti, Rebecca Frommherz und Yaelle Wouters, Fotos: Jacqueline

Ein Trauerzug von Schülerinnen und Schülern marschierte am 23. März in Richtung des Regierungsgebäudes in Liestal. Gemeinsam wollten sie sich gegen den zunehmenden Bildungsabbau wehren. Dieses „Bildungsbegräbnis“ wurde von der SOBA, der Schüler*innenorganisation beider Basel, auf die Beine gestellt und war ein Projekt ihrer Aktionswoche.

Am Bahnhof Liestal versammelte sich eine große Menge von Schülerinnen und Schülern der Gymnasien und Fachmittelschulen des Baselbietes, um gemeinsam zur Grabstätte ihrer geliebten Bildung zu ziehen. Die Parole wurde auf dem Weg dahin immer wieder lautstark von der Menge skandiert: „Bildigsabbau nit mit uns!“ Vor dem Regierungsgebäude stellte sich der extra für diesen Anlass gebildete Chor aus Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Muttenz auf.

In der Mitte standen sechs Figuren. Sie trugen Masken und hielten Plakate in der Hand. Zukunft, Potential, Talent, Chancengleichheit, Vielfalt und Entfaltung standen darauf geschrieben. Eigenschaften, welche die Bildung mit sich bringt. Um sie herum versammelten sich die Trauernden.

Die Trauerfeier eröffnete Julie von Büren, Mitbegründerin der SOBA. Sie schilderte die tragische Leidensgeschichte der Bildung und wie sie nach und nach ihre lebenswichtigen Eigenschaften verlor und somit ihr Leben liess. Während Julie die Sterbensgeschichte erzählte, fielen die durch die Schülerinnen und Schüler inszenierten Eigenschaften zu Boden und kennzeichneten ihren Tod. Zuerst die Entfaltung und das Potential, dann die Vielfalt, auch die Chancengleichheit und das Talent kamen nicht davon und zum Schluss hatte auch die Zukunft keine Kraft mehr, um sich am Leben zu halten. Was hat sie ins Elend gestürzt? Der übermächtige Gegner, die Politik und ihre Entscheidung, an der Bildung zu sparen. Mit dem Schlusswort von Julie begann der Chor das umgedichtete Baselbieterlied zu singen. „Und wöttsch du öpe singe oder spielsch du Kontrabass. Jä du bisch an dr FMS, do choschtet di jetzt das!“

Anschliessend trugen einige Schülerinnen und Schüler ihre Fürbitten vor. Mit diesen verdeutlichten sie nochmals den Ernst des Bildungsabbaus durch die Kundgebung ihrer eigenen Betroffenheit. Dies wurde vom dem Chor unterstützt durch ein gemeinsames: „Wir bitten euch, erhöret uns!“

Das Schlusswort der Bestattung übernahm die engagierte Anna Holm, ebenfalls eine Vertreterin der SOBA. Sie hielt eine mitreissende Rede darüber, wie grotesk sie den Bildungsabbau finde, und verglich ihn sogar mit einem Dönerspiess, den die Politiker ohne Weiteres abraspeln könnten. Diese Aussagen trafen auf grosse Zustimmung im Publikum. Bei der Darlegung, der Kanton habe schon Geld, einfach für anderes, stiess Anna auf grosse Begeisterung und vereinzelte Zustimmungsrufe wie „Jawoll!“ und „Ändlich seit’s mol öper!“.

Und weil es so schön traurig war, stimmte die gesamte Gesellschaft noch einmal die Melodie des Baselbieterliedes an: „…D’Gymis sind am blühe, bis d‘ Gschwind uf Lieschtel chunnt, und am End vo ihrere Amtszit simmer alli chli verdummt.“

Diese Beerdigung der Bildung war Teil der Aktionswoche gegen den Bildungsabbau. Der Höhepunkt dieser Aktionswoche war die nationale Demonstration in Bern am dem darauffolgenden Samstag. Doch obwohl sich so viele Schülerinnen und Schüler dafür einsetzen, weiteren Abbau in der Bildung zu verhindern, hält das den Regierungsrat bisher nicht auf. So wurden die Schulleitungen der Baselbieter Gymnasien herzlich dazu eingeladen, über die Abschaffung des Gymnasiums Muttenz nachzudenken.

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