Bandsäge, 3D-Drucker und zwei geschickte Hände

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von Timo Kröner (Text) und Daniel Nussbaumer (Fotos)

Seit diesem Sommer stecken drei Vogelfedern hinter dem Schild zu Felix Bitterlis Werkstatt. Es sind die Federn eines Turmfalken und einer Ringeltaube. Sie zeigen, dass hinter dieser Türe direkt neben dem Eingang zur Mediothek ein leidenschaftlicher Vogelkundler sitzt. Wenn man nun durch den schmalen Gang in die Werkstatt geht, fällt etwas anderes auf: das Maschinengrün (RAL 6011) all der mechanischen Geräte, die hier herumstehen. Verschiedene Sägen, Bohrmaschinen auf metallenen Ständern, Schneidetische.

Inmitten dieser mechanischen Maschinen stapelt sich Elektronik zum Reparieren: Heizrührer und Verstärker, Tastaturen und Laptops, Aktivboxen und Lampen. Gleich beim Eingang thront ein 3-D-Drucker, eine «gesteuerte Heissklebepistole», mit dem Felix Bitterli zum Beispiel einen funktionsfähigen Sternmotor als Anschauungsmaterial für die Fachschaft Physik gebaut hat. Das dreidimensionale Konstruieren und Zeichnen hat er in einer Fortbildung gelernt und sich in vielen Abendstunden privat angeeignet.

Damit lassen sich in seiner Werkstatt auf den ersten Blick all die vielseitigen Tätigkeitsbereiche von Felix Bitterli ablesen. Er ist als technischer Hauswart und Assistent der Fachschaft Physik angestellt und damit verantwortlich für alle mechanischen und elektronischen Geräte. Die Natur ist für ihn der Ausgleich zu dieser technischen Welt. Viele Lehrpersonen kennen durch seine ornithologischen Führungen den Gesang des Stieglitzes und die Nistplätze von Falken und Rauchschwalben in Muttenz.

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In unserem Alltag ist Felix Bitterli immer dann zur Stelle, wenn eine der wichtigen Maschinen nicht funktioniert: Kopierer, Beamer, Soundanlage. So ist er immer auf Abruf da: «Ich finde es besser, wenn ich ein Problem sofort lösen kann. Denn die Lehrpersonen sind da, um zu unterrichten. Meine Aufgabe ist es zu helfen, damit die Technik das nicht verhindert.»Diese professionelle Haltung bringt Felix Bitterli aus seiner langjährigen Arbeitserfahrung in der Industrie mit. Als Elektromechaniker hat er an verschiedenen Orten Produktionsanlagen programmiert und Werkstätten geleitet. Er weiss, wie wichtig es ist, dass Arbeitsabläufe flüssig ineinandergreifen.

Wie sehr unsere Schule von seinen organisatorischen und technischen Fähigkeiten profitiert, hat sich zuletzt bei der Einführung der BYOD-Klassen gezeigt. Er weiss nämlich auch, wie viel Ampere es braucht, damit 24 Ladegeräte nicht die Sicherungen raushauen. Gleichzeitig ist mit dem verstärkten Einsatz von digitalen Geräten auch die Beanspruchung der Geräte im Haus gestiegen: Mittlerweile laufen die Beamer und Visualizer in den Schulräumen fast dauernd.

Immer wieder steht er dann, wenn eins der Geräte den Geist aufgegeben hat oder schlicht veraltet ist, in der Zwickmühle zwischen dem vorhandenen kantonalen Budget und den Bedürfnissen des laufenden und die Technik beanspruchenden Schulbetriebs. Wie er das schaffe, gleichzeitig gute UND günstige Geräte aufzutreiben? «Mit Glück!», sagt er und lächelt vielsagend.

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Überhaupt ist diese Werkstatt ein sehr fröhlicher Raum. «Felix, ich brauch‘ ein bisschen Luft fürs Velo!», ruft plötzlich eine der anderen Assistentinnen herein: «Klar doch», antwortet er und hilft schnell, das Velo mit dem Kompressor aufzupumpen. Mit einem Lächeln, versteht sich!

Dennoch ist das ganze Schulhaus sein Arbeitsplatz. Hier erfüllt sich für Felix Bitterli ein Bedürfnis, das ihn in der Industrie immer etwas zum «Exoten» gemacht hat: menschliche Beziehungen. Daher habe er anderthalb Jahre in einem Therapiehaus gearbeitet. Hier erlebt er das ständig: Sei es die Dankbarkeit der Kollegin, wenn etwas wieder läuft, oder die Freude des Arrestanten, der zwischen all den «Buchstaben- und Zahlentürmen» des Unterrichts endlich mal etwas werkeln kann und mit der maschinengrünen Bandsäge Bretter sägen darf.

Gleichzeitig geniesst er den vielfältigen Austausch im Schulhaus: mit dem Physik-Lehrer über das Modell einer Peltron-Turbine, deren Schaufelblätter aus dem 3-D-Drucker kommen, mit dem Geografie-Lehrer über Wasserkraftwerke oder mit der Kollegin aus der Biologie über die Pflanzen im Schulgarten, an dessen Gestaltung er massgeblich beteiligt war.

Bei jedem Besuch merkt man, dass aus dieser Werkstatt, in der es nach frisch gesägtem Holz, Metallstaub, Schmieröl und süssem Haarspray – «damit das Modell im 3-D-Drucker nicht verrutscht» – riecht, die Energie und die Kraft kommen, in unserem oft etwas hektischen Schulalltag mit ruhiger Hand zu helfen.