Montagmorgen: Die dritten Klassen der FMS und der Maturabteilung des Gym Muttenz versammeln sich um 10 Uhr in der Aula FHNW, um sich zur Änderung des Kriegsmaterialgesetzes eine Meinung zu bilden. Zuvor wurden sie in Gruppen von ihren Geschichtslehrer*innen zur nationalen Abstimmungsvorlage vom 29.11. eingestimmt. Nun stehen vier Politiker*innen aus der Region Nordwestschweiz Rede und Antwort – organisiert und moderiert durch den gemeinnützigen und politisch neutralen Verein «Discuss it».
(Text: Jan Pagotto, Bilder: Christof Manetsch)
Zum Polit-Halbtag der dritten Klassen vom 26.10.2026
Von Links nach Rechts – im doppelten Sinne – stehen die Gegnerinnen der Vorlage, Tania Cucè (SP) und Katharina Bruno-Thakur (Grüne), den Befürwortern Jaël Schneider-Marfels (GLP) und Cedric Meyer (SVP) gegenüber. Die beiden Letzteren sind übrigens Ehemalige unseres Gymnasiums. Moderatorin Andrina Schmitz zeigt konkret, was ihr und «Discuss it» wichtig ist, nämlich Wahlbeteiligung und Interesse der Jungen zu erhöhen.
Bei der knappen Vorstellungsrunde erklären die Gäste, warum sie sich in der Politik engagieren: Es sei ein Privileg, in einer Demokratie mitentscheiden zu können, den Jungen eine Stimme geben und für Bruno-Thakur als aus Österreich eingebürgerte «Papierlischweizerin» gehe es zudem um Teilhabe am öffentlichen Leben. Die Co-Präsidentin der Grünen Muttenz zeigt mit Vergleichen zu unserem Nachbarland, dass Neutralität unterschiedlich umgesetzt wird. Die Schweiz sei niemals im Stande, ihre Armee alleine auszurüsten und die Liste von 36 Partnerstaaten, denen die Schweiz leichter Waffen liefern könnte, erachtet sie als willkürlich und zu starr. Schneider-Marfels, Co-Präsident der Grünliberalen beider Basel, entgegnet, der Bundesrat habe zurecht Entscheidungsspielraum und verdiene unser Vertrauen. Cucè, Präsidentin der SP Baselland, verweist darauf, dass es der Schweizer Rüstungsindustrie gut gehe, fordert mehr Mitverantwortung und verurteilt den Zynismus, trotz Erweiterung der Kriegsmaterial-Ausfuhren der Ukraine nicht helfen zu können – oder zu wollen. Meyer, Vorstand der SVP im Bezirk Rheinfelden, stellt klar, seine Partei sei nicht «russlandfreundlich» und betont die Problematik von Wirtschaftssanktionen. Ohne Umschweife hält er fest, die Schweizer Rüstungsindustrie leide durchaus. Er erinnert an die vielen Arbeitsplätze, die in Gefahr seien und resümiert, Waffenexporte könne man ohnehin kaum kontrollieren.




Die thematisch strukturierte und souverän geleitete Diskussion bot immer wieder Gelegenheit für Fragen aus dem Publikum, wovon die Schüler*innen rege Gebrauch machten. So wurde zum Beispiel gefragt, wer denn definiere, wann es sich um einen «Krieg» handle, ob die Neutralität der Schweiz durch die Ausweitung der Waffenlieferungen nicht geschwächt würde und wie zu garantieren sei, dass Schweizer Waffen nicht in falsche Hände wie denjenigen von ICE in den USA geraten könnten.
Der Blick ging über die Schweizer Grenzen hinaus auf Bürgerkriegsländer wie den Sudan, das derzeit kriegführende Israel, den Iran, die NATO und das Verhältnis zu den europäischen Nachbarn. Vielen dürfte neu gewesen sein, dass 2025 rund 71 Prozent der bewilligten Schweizer Kriegsmaterial-Exporte auf den deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall und seine Schweizer Beteiligungen entfielen. Nebenbei erhielten wir quasi «Nachhilfe» in Staatskunde, ging es doch immer wieder um die Rollen der Schweizer Instanzen sowie die Unterscheidung von Verfassung, Gesetz oder Verordnung. Einmal mehr wurde klar, dass «Neutralität» nicht nur je nach Zeit, sondern auch nach politischer Brille unterschiedlich betrachtet wird. Illustrativ wurde mit einem Schiedsrichter verglichen, der zwar neutral sein müsse, aber sich dennoch für eine rote Karte entscheiden dürfe.
Schliesslich wurde das Publikum zur Abstimmung gebeten: 49 Ja, 111 Nein und 23 Enthaltungen. Noch deutlicher war der Aufruf «Your vote matters!» sowie der Applaus für die kurzweilige und informative Veranstaltung.
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