Man braucht Kunst, um die Welt zu verstehen.

„Man braucht Kunst und Kultur, um die Natur zu verstehen.“

von T. Kröner, Fotos: Patricia Fekete und Rishicka Jegatheeswaran (1E)

Wenn wir das Wort Klimawandel hören, dann wissen wir, dass unser Weltklima wärmer werden wird. Aber kaum jemand hat eine Idee, wie unsere Welt in 30 oder 50 Jahren aussehen wird – oder im Jahr 2085. Dr. Juanita Schläpfer-Miller vom Zürich-Basel Plant Science Center hat als Antwort auf diese Frage einen Klimagarten entworfen, in dem dieser Wandel unserer Umwelt anhand von einheimischen Nutzpflanzen nachvollziehbar wird. Ihr Projekt hat sie am 29. Mai den Schüler*innen vorgestellt.

Die Idee des «Klimagartens 2085» ist es, dass in zwei Gewächshäusern eine jeweilige Klimaerwärmung von +3° C und +6° C simuliert wird, zwei Szenarien, die sich, je nachdem, wie wir den Klimawandel bekämpfen, bis zum Ende dieses Jahrhunderts zutragen können. In beiden Gewächshäusern wie auch in einem normalen Aussenbeet als Kontrollbeet wachsen dieselben Pflanzen, so dass man deren Wachstum unter veränderten klimatischen Bedingungen mit dem Normalwachstum vergleichen kann. Da unserer Schule in diesem Sommer zwei Gewächshäuser vom Plant Science Center zur Verfügung gestellt wurden, hat Regina Bandi im zweiten Teil der Mittagsveranstaltung genauer ausgeführt, wie diese mit Hilfe von Felix Bitterli und Olivier Warin (FS Physik) entstanden sind. Wir werden hier und im gedruckten Entfalter genauer darüber berichten.

In ihrem Vortrag hat uns Dr. Juanita Schläpfer-Miller die Idee und Geschichte ihres Klimagartens genauer erläutert. Ihr Ausgangspunkt ist ein hoffnungsvoller: Der «Climate Garden» hiess zu Beginn des Projekts «Climate hope Garden». Frau Schläpfer-Miller sagt über ihre Haltung dem Klimawandel gegenüber: «Ich bin Optimistin in Zeiten der Klima-Krise.» Sie begründet diesen Optimismus in drei Gedanken:

Zum einen ist sie Gärtnerin. Und das Anlegen eines Gartens ist eine optimistische Aktion, denn man erwartet vom Saatgut in Zukunft Ertrag. Aus dieser Idee entstand der Klima-Garten. Dr. Juanita Schläpfer-Miller sagt, sie habe durch ihre Arbeit an der ETH auf intellektueller Ebene diese Klima-Szenarien verstanden, wusste aber nicht, was es konkret für den eigenen Garten bedeuten würde. Sie ist aber auch Künstlerin und muss Sachen erleben, um sie zu verstehen. Aus Sorge darüber, dass die Politik nicht genügend handelt, um auf den Klimawandel zu reagieren, hat sie seit 2011 das Projekt des Klimagartens umgesetzt und bereits vielerorts vorgestellt.

Der Klimagarten ist zum Zweiten ein «Kunst-Wissenschaft-Experiment». Aus ihrer Sicht resultiere das Versagen einer Gesellschaft, zum Beispiel bei der Frage, wie man auf den Klimawandel angemessen reagiert, aus einem Mangel an Vorstellungskraft. Wir brauchen also Handlungs-Alternativen. Und Kunstwerke vermitteln uns eine andere imaginative Erfahrung. Ähnlich sieht sie ihr Buch «Klimagarten 2085». Es soll ein Opensource-Kunstwerk sein, mit dessen Hilfe jeder dieses Kunstwerk «Klimagarten» selber machen kann. So hat Frau Schläpfer-Miller ihr Projekt schon an vielen Orten, meist an Bildungsinstitutionen oder in Botanischen Gärten, installiert und vorgestellt. Dabei war immer der Aspekt der Vermittlung wichtig. So wurden immer wieder Künstler*innen eingeladen, die sich mit den Klimaverlierer- oder Klimagewinnerpflanzen auseinandergesetzt haben.

Die Entwicklung der Temperatur in unserer Atmosphäre und der damit zusammenhängende Anteil an CO2 sind in den letzten Jahrzehnten bedenklich gestiegen – mit weiterhin stark steigender Tendenz.

Zuletzt mache ihr die «Inconveniet Youth» Hoffnung, ein Begriff, der an den Film «The inconvenient Truth» von Al Gore über den Klimawandel angelehnt ist. «Ich bin optimistisch wegen euch!», betont sie und meint damit die Klimademonstrationen, die die Regierungen zum Handeln anregen können – denn Hoffnung heisst Handeln. Sie zitiert in ihrem Vortrag die Autorin Rebecca Solnit: «Die Hoffnung ist kein Lotterielos, das man auf dem Sofa sitzend voll Glück an sich klammert. Es ist eine Axt, die man in die Hand nimmt, um im Notfall eine Türe einzuschlagen.». In dem Sinne sieht sie Gärten als Öffnung der Zukunft ins Jetzt. Sie eröffnen uns einen Raum zum Handeln – und damit einen Raum der Hoffnung.

Eine zentrale Erkenntnis ist die Tatsache, dass es unter den Pflanzen Klimaverlierer und Klimagewinner geben wird. Die Sojabohne wird eine Gewinnerin sein. In die Schweiz werden zur Zeit knapp 400 000 t pro Jahr importiert, die als Tierfutter verwendet werden. Wenn wir dieses Soja direkt essen würden, anstatt es an die Tiere zu verfüttern, dann müssten wir viel weniger davon anbauen. Gleichzeitig ist sicher, dass wir in Zukunft weniger Soja aus Brasilien importieren müssen, da wir wahrscheinlich mehr anbauen können.

Nicht alle unserer Nutzpflanzen werden sich an das neue Klima anpassen können. Aber was genau heisst Klimastress für Pflanzen? Bei grosser Hitze transpirieren sie zu viel Wasser, reagieren mit Stress und verschliessen ihre Spaltöffnungen. Sie machen so aber viel weniger Photosynthese, da sie bei geschlossenen Spaltöffnungen kein CO2 aufnehmen können, was kleinere Biomasse und schnellere Wachstumszyklen (80 statt 110 Tage) bedeutet. Gurken zum Beispiel produzieren bei Hitzestress schnell Früchte, aber diese sind dann kleiner und bitterer.

Im anschliessenden Gespräch wird deutlich, dass die Erkenntnisse und Einsichten aus dem Klimagarten sensibilisieren. Gleichzeitig gibt es jetzt schon dringenden Bedarf, über konkrete Massnahmen zu diskutieren, wie wir den Klimawandeln eindämmen können. Denn auch das ist Hoffnung. Eine wichtige Hoffnung daher, weil es zwar viele Ideen gibt – wie die Idee, weniger Plastikabfall zu produzieren – die Umsetzung bisher aber noch sehr dürftig ist. Wir sollten jetzt schnell damit anfangen, die Emissionen von fossilen Brennstoffen zu stoppen und mit Alternativen zu beginnen. Noch ist es nicht zu spät, eine Wandlung jedoch erfordert den Einsatz eines jeden Einzelnen. Dies sagt ganz klar Andreas Fischlin, Professor für Terristrische Systemökologie der ETH, der am 1. April 2019 an der HSR Rapperswil das öffentliche Experiment «Klimagarten 2085» eröffnet hat.

Ein erster Schritt: Mülltrennung; Ergebnis eines Projekts der Klasse 2E.