Genau so muss das klingen!

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Larissa Hofer (am Piano) und Céline Acklin

von Daniel Nussbaumer (Textfassung des Gesprächs und Fotos)

Unsere Musikmaturand*innen spielen und singen derzeit ihr Maturaprogramm auf der Bühne. Der Anlass nennt sich First Stage und fand am Mittwoch zum ersten Mal statt. Am Donnerstag, den 28.11. wird er fortgesetzt. Es sind noch nicht alle aufgetreten. Am Mittag vor dem ersten Konzert bot sich die Gelegenheit, mit den Musikmaturand*innen über die Auswahl ihrer Stücke zu reden und darüber, wie sie ihre musikalische Entwicklung an unserer Schule erlebt haben.

Das Gespräch ist die Transkription einer Tonaufnahme. Es diskutieren (in der Reihenfolge der Wortmeldung): Lisa Güetli (Querflöte), Enrico Nitihardjo (Piano), Yannick van Diest (Schlagzeug, Vibrafon), Larissa Hofer (Piano), Helena Bühler (Gesang), Céline Acklin (Querflöte), Ramona Weber (Horn) und Jacqueline Balosetti (Piano).

Lisa: Die „Joueurs de Flûte“ von Albert Roussel habe ich ausgewählt, weil darin spannende Charaktere beschrieben werden und weil mir das Spielen mit Klangfarben gefällt. Das hat etwas Theatralisches.

Enrico: Es war immer mein Ziel, etwas vorzuspielen, bei dem ich ein grosses Ensemble dabei habe. Bei Misatango von Martin Palmeri sind es in dieser Formation fünf Streicher, eine Akkordeon-Solistin und ein ganz toller Chor. Es geht mir dabei weniger um mich selber als vielmehr darum, dass ich mit tollen Leuten etwas ganz Tolles vorführen kann. Wenn ich beim „Credo“ am Klavier sitze und der Chor plötzlich fortissimo einsetzt, dann spüre ich eine Kraft, die mich unterstützt.

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Die Misatango-Formation für Enrico Nitihardjo

Yannick: Ich spiele „Table Talk“ von Alyssa Weinberg auf dem Vibrafon und anderen Sachen wie Klangschalen, Gong, Bierbüchsen. Das Stück ist abstrakt, nicht wirklich fassbar, hat aber einen Puls, der durchgezogen wird.

Larissa: Ich mag sehr das „Vocalise“ von Sergei Rachmaninov, weil die Stimmungen darin zusammen mit der Querflöte gut zum Ausdruck kommen.

Helena:  Ich singe sehr gern „Sleeping Bee“ von Harold Arlen, ein Jazz-Stück. Es geht darin um eine Biene, die du in die Hand nimmst. Wenn sie dich nicht sticht, bist du mit dem Richtigen zusammen. Ich fühle mich bei der Gestaltung recht frei, auch im Vergleich zu den beiden anderen Stücken, eines Klassik, eines Pop, die ich auch singe und bei denen ich mich an die Vorgaben der Stilrichtung halten muss.

Céline: Mein Lieblingstück ist  „Slapstick Blues“ von Wilfried Aigner. Hier ist Improvisation möglich mit verschiedenen Techniken wie Klappengeräusch, Spielen und Singen. Ich habe Freiheit beim Gestalten und es ist kein 0815-Stück.

Ramona: Ich mag das „Concertino“ von Johann Michael Haydn. Es ist weniger bekannt, wird eher überschattet von den anderen Kompositionen Haydns. Es strahlt eine gewisse Ruhe aus, die mir gefällt.

Jacqueline: Ich mag alle drei Stücke, die ich spiele, sehr, weil sie unterschiedliche Facetten zeigen.  Besonders aber „Sweet Reveries“ von Peter Tschaikowsky. Ich habe das Gefühl, dass ich es mit diesem Stück zum ersten Mal richtig geschafft habe, in die Romantik einzutauchen. 

Enrico: Ich habe vorher immer allein gespielt. Hier an der Schule habe ich gelernt, mit anderen zusammenzuspielen, zusammen zu gestalten.

Helena: Ich hatte am Anfang Angst, dass ich ausschliesslich klassische Musik machen muss an dieser Schule. Inzwischen habe ich das aber gern bekommen. Ich durfte ein breites Spektrum kennen lernen und mit der Zeit durften wir mehr selber bestimmen, was wir singen wollten. Und jetzt singe ich alle Stilrichtungen gern.

Yannick: Ich hatte mich früher beschränkt auf das Schlagzeugspiel mit Drumset mit Kleinperkussion und die Kesselpauke. Jetzt ist hier das Stabspiel hinzugekommen als ein Teil, den ich an der Schlussprüfung präsentieren muss.

Lisa: Ich bin mit der Zeit hier weggekommen von der klassischen Klassik, also etwa Mozart, und spiele jetzt musikalisch eher anspruchsvollere Stücke. Das war anfangs schwierig für mich, weil ich mich anfänglich nicht als sehr selbstbewusst einschätzte. Denn für einen nicht geübten Zuhörer kann diese Musik auch mal falsch oder seltsam klingen. Inzwischen habe ich die nötige Präsenz, um etwa beim „Density 21.5“ auszustrahlen: Genau so muss das klingen!

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Lisa Güetli

Ramona: Abstrakte Stücke verzeihen aber auch mehr Fehler.

Céline: Man muss es gut verkaufen!

Lisa: Wir haben Bühnenpräsenz entwickelt.

Helena: Ja, die Entwicklung darin ist gross über die letzten Jahre. 

Lisa: Und das muss man auch geniessen und auf der Bühne den Applaus entgegennehmen können!

Helena: Sowieso möchte ich sagen: Keine Angst vor dem Musikschwerpunkt! Es wird eine Riesendrama  um die Eignungsprüfung gemacht. Man geht hin und hat das Gefühl, das sei ein Casting. Und dort sagen sie dir dann: Du bist schlecht und kannst nicht an diese Schule kommen. Aber das ist nicht so. Wenn du ein wenig Potential hast, dann werden sie das sehen und sagen: Komm! Du könntest sogar den Schwerpunkt wählen, wenn sie dir sagen würden: eher nicht. Es ist eine Empfehlung und kein Casting.

Céline: Es geht nicht so sehr darum, was man mitbringt, sondern um den Prozess, wie man sich in diesen vier Jahren entwickeln und dabei steigern kann.

Ramona: Ich bin ja erst seit zwei Jahren an dieser Schule und habe hier einen neuen Instrumentallehrer bekommen. Das hat mir viel geholfen.

Jacqueline: Ich fand es schwierig, mich an einen neuen Lehrer anzupassen. Aber es kommen eben auch neue Inputs und das erweitert den Horizont sehr stark.

Enrico: Ohne die Lehrerwechsel hätte ich keine solche Entwicklung gemacht.

Ramona: Also, wenn ich meine damalige Flötenlehrerin hätte mitnehmen können, dann wäre ich mit der Flöte ans Gym gekommen, nicht mit dem Horn. 

Lisa: Du spielst Flöte?

Ramona: Ich spiele Blockflöte.

Lisa: Ah, Blockflöte.